Begründung des Wettbewerbsbetrags

In der Epoche Aufklärung wurde eine Weltsicht geformt, die Rationalität, die systematische Naturbetrachtung und die Idee der individuellen Menschenrechte zur Grundlage hat.
Diese fundamentale Umwälzung wurden durch eine fortschreitende gesellschaftliche Entwicklung historisch notwendig. Letztlich waren es aber konkrete Männer und Frauen dieser Epoche, die mit ihren Werken und Taten diesen Gedanken zum Durchbruch verholfen haben.
In diesem Sinne erscheint es legitim, diese Persönlichkeiten als Vordenker zu benennen.
Jede neue Entwicklung geht Wege und Irrwege. In der Rückschau mögen einzelne Thesen, wie beispielsweise Johann Kaspar Lavaters Vorstellung, den Charakter eines Menschen aus seinem Profil – seinem Schattenriss – ableiten zu können, als fragwürdig und naiv erscheinen.
Dessen ungeachtet formt sich Zukunft immer als das Ergebnis vieler unterschiedlicher Positionen und Betrachtungen.
Die Erstellung von Schattenrissprofilen hat letztlich aus einem ganz anderen Grund große Breitenwirkung erhalten. Sie waren einfach und kostengünstig zu erstellen.
Der Name Silhouette ist abgeleitet von Étienne de Silhouette. Er war kurzzeitig „ Contrôleur général des finances“ unter Ludwig XV und „ à la Silhouette“ galt als Synonym für Billigware (im Vergleich zu gemalten Portraits). Ohne großen gedanklichen Überbau waren sie ein gesellschaftliches Vergnügen und können in gewisser Weise sogar als Vorläufer der Fotografie und der derzeit unvermeidlichen „Selfies“ gelten.
In weiten Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft waren sie Teil von abendlichen Vergnügungen.
Abgeleitet von diesen Scherenschnitt-Konturen nehmen die Skulpturengruppen nun eben diese Profile auf; als Zitat und als konkretes Erkennungsmerkmal für Persönlichkeiten wie:
Denis Diderot, Jean-Jacques Rousseau, Voltaire, Immanuel Kant, Georg Christoph Lichtenberg, Alexander von Humboldt, Leopold III. Friedrich Franz – Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau, Germaine de Staël, Mary Wollstonecraft, Luise Prinzessin von Brandenburg-Schwedt und Caroline Rudolphi, sowie als stellvertretende Abbilder für die vielen, die ungenannt bleiben. (…)
Die Profillinien aus poliertem Stahl sind in Gruppen angeordnet, dadurch spiegeln und ergänzen sie sich gegenseitig. So wie sich die zeitgenössischen Denker eben auch in Wörlitz ausgetauscht und ergänzt haben.
Durch sein eigenes Spiegelbild auf der Oberfläche der Plastiken wird der heutige Betrachter ebenfalls in diesen Austausch in Wörlitz mit einbezogen.
Die Skulpturen haben im weitesten Sinn ein menschlich zugängliches Maß. Dadurch wird es möglich sich zum Beispiel zwischen die Profile von Voltaire und Rousseau zu stellen. Es ist vermutlich zu erwarten, dass die Profilgruppe entsprechend genutzt und fotografiert wird.


11 Profile in 4 Gruppen auf flachen Sockeln


Die Gruppen sind im Zugangsbereich zum Besucherzentrum verteilt positioniert. Die Verteilung ist formal und rhythmisch begründet und folgt hierbei zunächst keiner inhaltlichen Idee. Die Sockel sind in Höhe, Form und Stabilität an die Möglichkeit angepasst, dass sie zum Teil auch als Sitzgelegenheit genutzt werden könnten.

Zusammenfassende Darstellung aller Profilgruppen
Visualisierung der Skulpturengruppen in der Entwurfsansicht
Verteilung der Profilgruppen im Wettbewerbsbereich

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