Sinn und Unsinn ….

diese Skulptur gehorcht einem Ansatz der im Wesen der Mathematik verankert ist: sie folgt ausschließlich ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit und trägt ursächlich keine Bedeutung über sich hinaus.
In einer wertorientierten Umgebung ist dies schon fast eine Provokation.

Der Ansatz:
Eine aus Kreisformen und Kreisbögen geformte Struktur entfaltet sich im Raum und exemplifiziert zunächst nichts als die eigene innere Beschreibung.
Die Wertgröße zur Erfassung der Länge eines Kreisbogens ist die Ludolphsche Zahl Pi (π). Dieser Wert ist transzendent und irrational – vielleicht reizt er gerade deshalb zu dem Versuch eben doch ein periodisches Muster zu erkennen.

Der Versuch:
Auf der Basis des dezimalen Zahlensystems wird der Wert π für die Skulptur in zehn Farben kodiert und auf der Oberfläche der Plastik als endloser Ausdruck formuliert.
Wie es halt so ist: die Begrenzung der endlichen Länge der Plastik setzt diesem Ansinnen enge Grenzen. In diesem Fall ist der Versuch schon nach nur 200 Nachkomma-Stellen zu Ende.

Das Ergebnis:
Im Rahmen dieser Begrenzung ist das Ergebnis konkret. Ob es ein Muster ist, bedarf der Erkenntnisfähigkeit des betrachtenden Subjekts.

Das Verhältnis dieser Plastik zu ihrer Umgebung kann durchaus gedeutet werden wie das Verhältnis der Mathematik zu ihrer Anwendung in der Welt, die eben nur durch Analogien ihre sinnstiftende Bedeutung erhält.

Am realen Ort im Innenhof des Gebäudes „MATH“ kann diese Skulptur mehrerlei sein:

  • Die leicht verrätselte Darstellung eines überaus bekannten Zahlenwertes.
  • Ein Analogschluss auf die Selbstbezüglichkeit von Denksystemen.
  • Eine Form von heiterer, wilder Buntheit in einer wohlgeplanten Umgebung.
  • Eine Reminiszenz an einen eigenwilligen mathematischen Forscher aus dem 16. Jh.
  • Eine Landmarke, die diesen Ort durch ihr Sein begrifflich definiert.
Die Ludolphsche Zahl Pi (π) mit 200 Nachkommastellen in Farben kodiert:
Visualisierung des Entwurfs im Umfeld der Planunterlage, Blick nach Nordost ▲
Visualisierung des Entwurfs im Umfeld der Planunterlage, Blick nach Norden ▲
Detailansicht


Die realisierte Wettbewerbsarbeit
wurde für einem anderen Ort im Gebäude konzipiert und dort entsprechend installiert.

Der hier gezeigte Beitrag wurde wie folgt von der Vorprüfung kommentiert:

„Das Preisgericht würdigt den selbstreflexiven Ansatz in der Titelgebung, den farbenfrohen klassisch skulpturalen Versuch, mit der Höhe des Raumes umzugehen.“

NB:
Man hat in diesem Job immer wieder das Vergnügen sich von den überragenden intellektuellen Leistungen einer Jury überzeugen zu lassen.

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