Skulpturen im Park eines privaten Anwesens in Locarno
Ursprünglich gab es die Idee eine Skulptur im Garten zu platzieren. Aus einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Entwürfen …….
…… sind letztlich zwei Favoriten übrig geblieben. Nachdem sich die zwei Varianten zum einen auf unterschiedliche Orte im Park beziehen und zum anderen einen unterschiedlichen Gestus haben, erschien es schlüssig beide Formen zu realisieren.
Sitzende Figur auf einer Steinmauer im Weingarten Ansicht 1
Sitzende Figur auf einer Steinmauer im Weingarten Ansicht 2
Stehende Figur auf der Terrasse vor einem Rustico, Ansicht 1
Kunstwettbewerb: Kunst am Bau – Neubauten Institut für Mathematik (MATH) und Interdisziplinäres Zentrum für Modellierung und Simulation (IMoS) der TU – 2022
Auszug aus der Projektbeschreibung: Der Neubau Mathematik wird von fast allen Studierenden der Technischen Universität in den ersten Semestern während der mathematischen Grundausbildung genutzt werden. Daneben beheimatet der Neubau Mathematik Professorinnen und Professoren, Mitarbeitende und Doktorandinnen und Doktoranden des Instituts für Mathematik. Der Neubau IMoS wird ein Ort der anwendungsgetriebenen Forschung und internationalen Begegnung über Disziplinen hinweg. Gemeinsames Anliegen der Beteiligten ist die Betonung der Themen Internationalität und Interdisziplinarität: An diesem Ort findet sowohl internationale Spitzenforschung als auch anwendungsnah orientierte Lehre statt für Studierende aus aller Welt im Fach Mathematik und angrenzender Disziplinen wie Natur- und Ingenieurwissenschaften. Für die in den beiden Neubauten vorgesehene Forschung und Lehre braucht es einen Ort, der Kommunikation und Kooperation nicht nur erlaubt, sondern befördert.Erwartet wird ein eigenständiger künstlerischer Beitrag, der einen identitätsstiftenden Bezug zum Ort und seiner räumlichen, architektonischen und sozialen Situation herstellt und durch künstlerische Qualität und Aussagekraft überzeugt.
Gegenstand des Kunstwettbewerbs: Ziel des Wettbewerbs ist es, für den Neubau MATH und für den Neubau IMoS Kunst am Bau zu entwickeln, die einen Bezug zum Standort, dessen Architektur und räumlichen Kontext herstellt, sich mit den lebendigen Orten der Lehre und Forschung und des Austausches auseinandersetzt sowie die Themen Internationalität und Interdisziplinarität reflektiert. Die Wahl des künstlerischen Mediums ist den Teilnehmenden freigestellt, soweit die Nutzung des jeweiligen Wettbewerbsbereichs nicht eingeschränkt wird und die Urheberrechte der Architekten beachtet werden.
Auszug aus den Bearbeitungsplänen: Grundriss des Wettbewerbsgebiets
Sinn und Unsinn ….
diese Skulptur gehorcht einem Ansatz der im Wesen der Mathematik verankert ist: sie folgt ausschließlich ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit und trägt ursächlich keine Bedeutung über sich hinaus. In einer wertorientierten Umgebung ist dies schon fast eine Provokation.
Der Ansatz: Eine aus Kreisformen und Kreisbögen geformte Struktur entfaltet sich im Raum und exemplifiziert zunächst nichts als die eigene innere Beschreibung. Die Wertgröße zur Erfassung der Länge eines Kreisbogens ist die Ludolphsche Zahl Pi (π). Dieser Wert ist transzendent und irrational – vielleicht reizt er gerade deshalb zu dem Versuch eben doch ein periodisches Muster zu erkennen.
Der Versuch: Auf der Basis des dezimalen Zahlensystems wird der Wert π für die Skulptur in zehn Farben kodiert und auf der Oberfläche der Plastik als endloser Ausdruck formuliert. Wie es halt so ist: die Begrenzung der endlichen Länge der Plastik setzt diesem Ansinnen enge Grenzen. In diesem Fall ist der Versuch schon nach nur 200 Nachkomma-Stellen zu Ende.
Das Ergebnis: Im Rahmen dieser Begrenzung ist das Ergebnis konkret. Ob es ein Muster ist, bedarf der Erkenntnisfähigkeit des betrachtenden Subjekts.
Das Verhältnis dieser Plastik zu ihrer Umgebung kann durchaus gedeutet werden wie das Verhältnis der Mathematik zu ihrer Anwendung in der Welt, die eben nur durch Analogien ihre sinnstiftende Bedeutung erhält.
Am realen Ort im Innenhof des Gebäudes „MATH“ kann diese Skulptur mehrerlei sein:
Die leicht verrätselte Darstellung eines überaus bekannten Zahlenwertes.
Ein Analogschluss auf die Selbstbezüglichkeit von Denksystemen.
Eine Form von heiterer, wilder Buntheit in einer wohlgeplanten Umgebung.
Eine Reminiszenz an einen eigenwilligen mathematischen Forscher aus dem 16. Jh.
Eine Landmarke, die diesen Ort durch ihr Sein begrifflich definiert.
Die Ludolphsche Zahl Pi (π) mit 200 Nachkommastellen in Farben kodiert:
Visualisierung des Entwurfs im Umfeld der Planunterlage, Blick nach Nordost ▲
Visualisierung des Entwurfs im Umfeld der Planunterlage, Blick nach Norden ▲
Detailansicht
Die realisierte Wettbewerbsarbeit wurde für einem anderen Ort im Gebäude konzipiert und dort entsprechend installiert.
Der hier gezeigte Beitrag wurde wie folgt von der Vorprüfung kommentiert:
„Das Preisgericht würdigt den selbstreflexiven Ansatz in der Titelgebung, den farbenfrohen klassisch skulpturalen Versuch, mit der Höhe des Raumes umzugehen.“
NB: Man hat in diesem Job immer wieder das Vergnügen sich von den überragenden intellektuellen Leistungen einer Jury überzeugen zu lassen.
Offener, zweiphasiger Kunstwettbewerb „Ein Denkmal für den Weingartener Vertrag von 1525“- 2022
Wettbewerbsaufgabe (…) Im Rahmen des 500. Jahrestags des Weingartener Vertrags soll zur Erinnerung an das historische Ereignis und seine Bedeutung ein Denkmal errichtet bzw. ein künstlerischer Erinnerungsort entwickelt werden. Bekanntlich endete der sogenannte Bauernkrieg in den meisten deutschen Landschaften im Laufe des Jahres 1525 letztlich in blutigen Schlachten mit klaren Niederlagen der Bauern. Einzig in Oberschwaben konnten die Aufständischen gegenüber dem Schwäbischen Bund und seinem Feldherrn, dem Truchsess Georg von Waldburg, einen Frieden ertrotzen – den Weingartener Vertrag. Am 17. April verhandelten sie ihn im oder beim Kloster Weingarten; am 19. April besiegelten sie ihn in der Reichsstadt Ravensburg, deren Bürgermeister und Rat ihn vermittelt hatten. Erst die Bauernkriegsforschungen Peter Blickles beurteilten den Aufstand der Untertanen 1975 nicht nur negativ als Niederlage. Sie sahen auch den Vertrag von Weingarten in einem neuen Licht, nämlich als einen Friedensvertrag, in dem die Untertanen als gleichberechtigte Vertragspartner handelten, und die siegreichen Herren auf Entwaffnung, Schadensersatz und Strafen verzichteten.
Das Wettbewerbsgebiet in WeingartenDer Weingartener Vertrag
Für die Mehrzahl der Menschen ist der visuelle Sinn der universellste Zugang zur Welt. (Ob dies immer und überall so war, sei dahingestellt). Das Auge ist in einiger Hinsicht geradezu ein ideales Wahrnehmungsinstrument weil es Objekte gleichzeitig mit ihrer Position im Raum und ihrer Relation zu einander und aus unterschiedlichen Distanzen sehen kann. Weil Dinge gesehen werden können denen wir nicht nahe kommen können, wie etwa glühender Lava oder einem Stern am Himmel. Die visuelle Wahrnehmung ist allerdings mittelbarer als beispielsweise der taktile Sinn und in besonderem Maße von der nachfolgenden mentalen Interpretation des Gesehenen abhängig. Über Licht und Schatten wird die Oberflächenmodellierung erfasst und zusätzliche Information über die Transparenz und Transluzenz der Objekte generiert. Für die Identifikation von Volumina werden die visuellen Daten von zwei Augen miteinander verglichen und ein Tiefenbild erstellt. Zur Strukturierung und zur Differenzierung der Objekte in sich und untereinander sind zunächst die Farben, das heißt die von Objekt reflektierten Lichtwellen wichtig. Alle visuellen Wahrnehmungsformen sind aber letztlich Oberflächenbeschreibungen, die einen Körper in seiner Gesamtheit aus der Ansichtsseite und damit aus einer Projektion ableiten müssen. Für diese Beschreibung ist die Silhouette bzw. der Schattenriss des Betrachtungsgegenstandes ein Instrument für eine schnelle Identifikation der Objekte. Die Umrisslinie ist eine zweidimensionale Linie, die entsprechend abhängig von der spezifischen Position des Betrachters die äußere Kante einer Fläche beschreibt.
Die gängige Version dieser Umrisslinien ist der Schattenriss als Papierschnitt wie er sich häufig im Poesiealbum des 19. Jahrhunderts darstellt. Für die Beschreibung der Körperlichkeit ist der Schattenriss nicht wirklich brauchbar. Schon eine geringfügige Drehung aus der Ansichtsachse offenbart den zweidimensionalen Charakter der Fläche und verzerrt die Darstellung. Je weiter sich das betrachtende Auge aus dieser Achsenstellung entfernt verformt sich das Objekt sukzessive bis zur Unkenntlichkeit. Ganz im Gegensatz hierzu sind Konturlinien der Ausdruck eines komplexen skulpturalen Verfahrens das der Körperlichkeit des Objektes folgt und in seiner Konkretion vom Betrachter unabhängig ist. Diese Linien sind KEINE Silhouetten, denn eine Silhouette oder Schattenriss ist eine zweidimensionale Darstellung die immer vom Standpunkt des Auges des Betrachters abhängig ist. Der Schattenriss ist damit – streng genommen – auch immer das Ergebnis einer räumlichen Perspektive. Oberflächenlinen sind hiervon völlig unabhängig.
Künstlerischer Realisierungswettbewerb in 2 Phasen „Loreley Statue im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ – 2022
Leitidee und funktionale Programmerfüllung Die Loreley, die steilen aus dem Rheintal aufregenden Wände des Loreleyfelsens, werden nach der Neugestaltung des Loreleyplateaus als touristischer Ort eine ganz neue herausragende Qualität erhalten. Die vorhandenen Naturräume und landschaftlichen Qualitäten des Loreleyplateaus werden von allen störenden baulichen Elementen und Eingriffen befreit. Die Gestaltung greift subtil und zurückhaltend die Qualitäten der natürlichen Gegebenheiten auf und versucht die Landschaft und den Ort Felsspitze in einen möglichst ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Das ungestörte Naturerlebnis steht im Fokus der Gestaltung. Die Lenkung der Besucherströme hin zu den spektakulären Aussichtspunkten ins Rheintal und den ungestört erlebbaren Naturräumen des Plateaus erfordert eine grundlegende funktionale Neuordnung des Gesamtareals.
(…) Die Wege zur Felsspitze werden immer über das neue Besucherzentrum der Loreley gelenkt, entlang der neugestalteten begehbaren Fuge. Im Verlauf des Projektes wurde mehrfach über die Notwendigkeit diskutiert, ob eine figürliche Darstellung der Loreley, eine Statue, innerhalb des Kultur- und Landschaftsparks etabliert werden sollte. Letztlich herrschte bei allen Entscheidungsträgern Einigkeit darüber, dass die Errichtung einer Loreleystatue unerlässlich ist. Dies sicher nicht nur, um die Erwartungen der Besucher des Plateaus, der Touristen an diesen Ort zu erfüllen und weil die immer wiederkehrende Frage: „Wo ist die Loreley?“ beantwortet werden sollte, nein, insbesondere auch, weil der Mythos der Loreley der Interpretation, der Deutung bedarf und dies durch ihre figürliche, künstlerische Darstellung wahrnehmbar werden sollte. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit diesem Thema, mit der Loreley und all den Facetten ihres Mythos, setzt sozusagen den Schlusspunkt in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Mythologie des Ortes insgesamt und komplettiert sie.
Grundriss und Satellitenbild des Areals (Planskizze und Textauszug aus den Ausschreibungsunterlagen des Auslobers)
„Neubau Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie“Kunst-und-Bau-Wettbewerb Mainz, -2021 –
Anlass und Ziel des Kunst-und-Bau- Wettbewerbs: In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz entsteht mit dem neuen Hauptsitz des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), einer der größten archäologischen Forschungseinrichtungen Europas, in unmittelbarer Nachbarschaft des römischen Theaters und des Museums für Antike Schifffahrt ein neues Archäologisches Zentrum. Mit dem Neubau des RGZM entsteht in Mainz nicht nur ein wissenschaftliches, sondern zugleich ein neues kulturelles Zentrum an einem städtebaulich neu geordneten Stadteingang. Ziel der Kunst am Bau Wettbewerbs ist es, ein identitätsstiftendes Signet für das RGZM zu schaffen, das auf den stadträumlich prägnanten Standort eingeht und einen klaren inhaltlichen Bezug zur Arbeit des RGZM aufzeigt.
Wettbewerbsaufgabe Das RGZM stellt sich als ein innovatives Museum dar, in dem neue Formate der Kommunikation und Interaktion mit der Öffentlichkeit praktiziert werden sollen (…). Nicht nur inhaltlich positioniert sich das RGZM als ein exponierter Ort. Es besetzt auch eine signifikante Lage am viel befahrenen Ortseingang von Mainz. (…) Hier bietet sich an, die dargestellte Eckformation des RGZM mit künstlerischen Mitteln als einen das Gebäude wie den Stadteingang prägenden, visuellen Halte- und Ankerpunkt auszubilden. Der Auslober möchte mit der Umsetzung der Kunst-und-Bau-Aufgabe ein starkes Zeichen mit deutlicher Außenwirkung für die Inhalte und ambitionierten Vermittlungsziele des Museums setzen.
Von der Weisenauer- oder der Salvatorstraße herkommend, wird nach Unterquerung der Eisenbahnbrücke ein tiefen-räumlicher Bewegungsimpuls ausgelöst. Das RGZM stellt sich dieser Dynamik ein Stück weit entgegen. Unterstützt auch durch die großformatige Wandöffnung fängt es die Blicke aus verschiedenen Richtungen ein. Hier ist Potenzial für eine künstlerische Signetwirkung architekturräumlich angelegt.
Erwünscht ist eine künstlerische Aussage, die sich aus den Forschungs- und Vermittlungsinhalten des Leibniz-Forschungsinstiuts und -museums ableitet bzw. sich mit diesen inhaltlich verbinden lässt und zugleich in einer kalkulierten Interpretationsoffenheit zu Diskursen anregt. (…) Die Spannung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen vergangener, heutiger und zukünftiger Welt, die Abbildung und Ableitung individueller wie gesellschaftlicher Existenzformen in archäologisch unterlegten Raum-Zeit-Strukturen entfaltet assoziative Felder und sequentielle Narrative, die sich zu künstlerische Formationen verdichten lassen.
Um die größtmögliche Chance für die Kreation einer das RGZM auch äußerlich prägenden, künstlerischen Signatur zu wahren, werden die einzusetzenden Techniken und Gestaltungsmittel von malerisch-flächigen Mitteln über halbplastische Reliefbildungen, Texte und Texturen bis hin zu skulpturalen Figurationen, raumbildenden Strukturen und Installationen, die sich auch licht- wie medientechnischer Ausdrucksmittel bedienen dürfen, bewusst nicht eingeschränkt. (…)
Auszug aus den Ausschreibungsunterlagen des Auslobers
Wandskulptur für die Fa. Heinrich Schmid GmbH & Co. KG in Reutlingen in der Siemenssstraße
Die Selbstdarstellung und das Leitbild des Unternehmens: Dies ist zum einen Teil, die Kontinuität in der Unternehmensleitung als ein gemeinsames Band von mehreren Generationen und zum anderen Teil, die Menschen, die der Unternehmung zum Erfolg verhelfen. Die handwerkliche Basis, das Wissen, das Können, das Engagement, die Sorgfalt, die Freundlichkeit, die Kundenorientierung aller Mitarbeiter sind hierfür Schlüsselelemente. Für diesen Zusammenhang galt es ein Zeichen zu setzen. Während auf der einen Straßenseite die Abfolge der Generationen das Leitthema für die Skulptur ist wird auf der gegenüberliegenden Seite die große Gruppe der Unternehmensmitarbeiter thematisiert.
Menschen sind immer sehr konkret und individuell. Für beide Skulpturen wurden daher konkrete, realistische Bildformen gewählt: Die Konturlinien bzw. das Profil. – Diese Konturlinien wurden konsequent entsprechend realen Abbildern entwickelt.
Gruppenbilder sind zu jedem Zeitpunkt mehr gewesen als nur eine Ansammlung von Menschen. Immer galt es mehr zu sein als nur dies. Sei es nun der Stolz der Stände und Zünfte, das Elend der Arbeitswelt, das überlegene Arbeitsethos des sozialistischen Menschen, der Opfermut für die Nation, die Idee, die „goldene Zukunft“ sind unterliegende Themen. Auf all dies galt es zu verzichten – Menschen sind Menschen darum geht es. also:
keine Typisierung
keine Idealisierung
keine Instrumentalisierung
Leut‘ halt einfach
Der Auftraggeber versteht die Figurenwand in komplementärer Ergänzung mit der gegenüberliegenden Skulptur „Ein kontinuierliches Band“ im Gesamtzusammenhang als „Die Schmids“ und die „Heinrich Schmids“
Die Wandskulptur wird von sehr unterschiedlichen Positionen wahrgenommen:
vom Gelände der Fa. Schmid ist das Objekt in voller Breite frontal zu sehen sein und kann als Ganzes erfasst werden.
der größere Teil der Betrachter bewegt sich aber entweder als Fußgänger oder als Autofahrer in zwei Richtungen entlang der Siemensstraße.
Durch die räumliche Entfaltung der einzelnen Konturen werden die Figuren in seitlicher Perspektive aus der Entfernung als ein nicht eindeutig identifizierbares „Gewirr“ von Linien wahrgenommen. Aus dieser scheinbar chaotischen Struktur fügen sich beim Näherkommen die einzelnen Figuren als klares Bild zusammen um sich dann im weiteren Verlauf wieder in unlesbare Linienstrukturen aufzulösen Für die Nutzer von Fahrzeugen wird sich dieser Prozess relativ schnell vollziehen. Fußgänger werden durch die Größe der Wandskulptur neben der Gesamtgruppe auch die einzelnen Figuren in ihrer Individualität identifizieren. Der visuelle Reiz der Wandgestaltung liegt in diesem dynamischen Prozess der unterschiedlichen Ansichten. Während die museale Präsentation eines Kunstwerkes die Betrachtungsform eines Werkes – mehr oder weniger – vorgibt, ist in dieser Situation die Bewegungsform der Betrachter zwingend vorgegeben und die Gestaltung des Objektes muss entsprechend hierauf antworten.
Blickrichtung entlang der Siemensstraße in Richtung Nordwest ▲▲ Frontalansicht von der gegenüberliegenden StraßenseiteBlickrichtung entlang der Siemensstraße in Richtung Südost ▲Detailansichten ▲Detailansichten ▲
Zweistufiger offener Kunstwettbewerb anlässlich der Bayerischen Landesgartenschau 2020
Hintergrund und Aufgabe
Die Stadt Ingolstadt führt vom 24. April bis 04. Oktober 2020 gemeinsam mit der Bayerischen Landesgartenschau GmbH (LGS GmbH) die 20. Bayerische Landesgartenschau durch. Das Gelände der Bayerischen Landesgartenschau Ingolstadt liegt in einem Grünring zwischen intensiver Wohnbebauung und einem Industriegebiet. Arbeit und Freizeit treffen hier in einer gestalteten und kultivierten Landschaft aufeinander, das Landesgartenschaugelände wird Vermittler zwischen zwei Welten. Nach Beendigung der Landesgartenschau wird das Gelände mit einem künstlichen See zu einem großen Teil als Park für die Bevölkerung erhalten bleiben.
▲ Auszug aus den Auschreibungsunterlagen der Ausloberin: Stadt Ingolstadt
Das Thema „Nachhaltigkeit“ steht als Kernthema über der gesamten Ausstellungskonzeption der Landesgartenschau.
An zwei Standorten soll jeweils eine Skulptur in die neu geschaffene Parklandschaft integriert werden. Es ist vorgesehen, jeweils ein Kunstwerk seitens der Stadt Ingolstadt und der Audi AG anzukaufen. Hierfür lädt die Stadt Ingolstadt mit Beteiligung der Audi AG und der LGS GmbH zu einem Wettbewerb ein.
(…) Die Kunstwerke sind aus wetterbeständigen und vandalismusresistenten Materialen anzufertigen. Die Verankerung der Kunstwerke in das dafür nötige Fundament ist in der Beschreibung des Entwurfs darzulegen. Die Preisträger*innen müssen die Standsicherheit ihres Kunstwerks durch Vorlage eines statischen Nachweises gewährleisten.
▼ Auszug aus der Begründung und Erläuterung des Wettbewerbsbeitrags
Der Thematische Rahmen
Mit „Nachhaltigkeit“ wird letztendlich der Gedanke beschrieben Verhalten und die Nutzung bzw. die Herstellung von Gütern an die langfristigen Notwendigkeiten anzupassen. Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung (….) geht von der Vorstellung aus, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann. Nur auf diese Weise kann die ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sichergestellt und verbessert werden. Die drei Aspekte bedingen dabei einander. (Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Nachhaltigkeit, Der aktuelle Begriff 06/2004, 6. April 2004) Dieses Gleichgewicht der Notwendigkeiten wurde als programmatischer Ansatz, als Ausgangspunkt für die Entwicklung der Skulptur gewählt.
Beschreibung der Skulptur
Die Position einer Kugel im Raum wird durch begrenzende Kreisbögen definiert und beschrieben. In ihrer Gesamtheit bildet die Skulptur ein dynamisches Gleichgewicht in dem jede Änderung eines einzelnen Elementes zwingend die Änderung der Position aller Objekte des Systems nach sich zieht um zu einem neuen Gleichgewicht der Notwendigkeiten zu kommen. Würde sich eines der begrenzenden Elemente zu weit vom Zentrum entfernen müsste das System scheitern.
Die Wahrnehmung des Objektes
Die Skulptur wird aus unterschiedlichen Positionen wahrgenommen. Bedingt durch ihre Größe gibt es Fernsichten die letztlich fein gezeichnete bogenförmige Lineaturen um das Zentrum des Objektes zeigen. In der Nahsicht wird die Skulptur in Untersicht gesehen und der Blick des Betrachters wird je nach der unmittelbaren Position mit stark wechselnden Eindrücken zwischen Stabilität, Fragilität, Sicherheit und Beunruhigung konfrontiert.
Technische Beschreibung der Skulptur
Drei frei im Raum angeordnete Kreisbogenabschnitte mit einem Radius von jeweils etwa 2,5 m orientieren sich um eine zentrale Kugelform. Die Bögen sind an ihren Endpunkten durch Stahlseile miteinander verbunden und bilden damit ein interdependentes System in dem entsprechend jede Änderung eines einzelnen Objektes die Änderung aller anderen Objekte nach sich zieht. Die Basis der Skulptur wird durch 3 Säulen mit unterschiedlichen Durchmessern und jeweils einer Höhe von etwa 4 Metern gebildet. Die Gesamthöhe der Skulptur liegt bei 8 Metern, wobei die untere Höhe der Bogenformen bei etwa 3,5 Metern beginnt. Die Skulptur besteht aus lackierten Stahl, Edelstahlseilen und einer zentralen Kugelform aus Metall und opakem Glas. Für das bauseitige Fundament sind keine unüblichen Forderungen erkennbar.
Vorschläge für eine Wandgestaltung für die Georg Elser Schule in Königsbronn
Die Anfrage der Stadt bezog sich ursprünglich auf eine Nachbildung des Berliner Georg Elser Profils als Zeichnung auf der Fassade. Um dieser Option Alternativen entgegen zu halten wurden 3 Vorschläge vorgestellt.
Ein Band aus Edelstahl formt die Konturlinie des Portraits von Georg Elser Gleich einer Federzeichnung variiert die Linienstärke je nach Bewegungsrichtung. Dadurch ergibt sich eine feine dynamische Lineatur. Die Stahlkontur wird mit etwa 8 cm Abstand vor die Wand gesetzt, dadurch wird die Linienführung je nach Lichtsituation mit der wechselnden Schattenbildung nochmals betont. Der Schriftzug „Georg-Elser-Schule“ wird im gleichen Duktus ausgeführt und entsprechend ebenfalls mit etwas Abstand vor die Wand gesetzt.
Der zweite Entwurf eröffnet den Raum für bildliche Interpretationen.Durch die Aneinanderreihung von Profilstäben aus Edelstahl wird eine ruhige linear geprägte Fläche unmittelbar vor der Wand aufgespannt. Gleich einer Welle auf einer glatten Wasserfläche wird das Profil von Georg Elser als räumliche Erhebung gebildet. In Abhängigkeit von den Lichtverhältnissen und der Position des Betrachters im Raum wird sich das Gesichtsprofil unterschiedlich einfach erkennen lassen. Der Entwurf gewinnt einen Teil seines Reizes durch die Bewegung des Profils in die Fläche und aus der Fläche heraus. Die streng rechteckige Grundform der Metallfläche wird an einer Stelle aufgelöst um die Grundlinie für den Schriftzug „Georg-Elser-Schule“ zu bilden. Die lineare Linienstärke der Schrift ist aus der Breite der Profilstäbe abgeleitet.
Im dritten wird das Profil von Georg Elser aus Keramikflächen in unterschiedlichen Höhen gebildet und entfaltet dadurch, ergänzt durch Licht und Schatten eine räumliche Gestalt.
Vorschlag 1 ▲
Vorschlag 2 ▲
Vorschlag 3 ▲
Realisierung:
Soweit ich weiß hat keine Realisierung stattgefunden.
Zweiphasiger offener internationaler Realisierungswettbewerb zur Errichtung eines Marktbrunnens in Chemnitz
Aufgabe:
Im Ansatz soll sich der Wettbewerbsteilnehmer/die Wettbewerbsteilnehmerin mit dem Thema Brunnen allgemein auseinandersetzen. In Zeiten, als es noch keine Wasserleitungen in jedem Haushalt gab, war ein Brunnen öffentlicher Ort, diente der Wasserversorgung, war ein Waschplatz und damit zugleich Treffpunkt für Menschen, verbunden mit sozialen Interaktionen. (…) Brunnenanlagen können Besucherscharen anziehen und Quell der Inspiration sein. Dies ist auch eine urbane Herausforderung an den neuen Brunnen. Das Bedürfnis zum Verweilen an diesem Ort soll geweckt werden. Dies kann erreicht werden, wenn der Brunnen interessant, markant, unverwechselbar ist und Sitzmöglichkeiten bietet. In diesem Zusammenhang ist auch eine Erweiterung der Funktionsfähigkeit durch Licht- und/oder Klangeffekte denkbar/wünschenswert. Das Attribut unverwechselbar ist im Sinne von zur Stadt dazugehörend anzusehen.Der Brunnen soll zugleich einen Beitrag zur Identität der Stadt Chemnitz leisten. Die Stadt kann auf eine lange und erfolgreiche Entwicklung der Industrie zurückblicken. Besonders der Maschinenbau und die Textilindustrie haben vor über 100Jahren die Stadt geprägt. (…) auch die Architektur hat Spuren in der Stadt hinterlassen. Bauten der Neuen Sachlichkeit sind noch heute unübersehbare Glanzpunkte in der Stadt. In diesem Kontext von Industrie und Architektur entwickelte sich Kunst, Kultur und Wissenschaft.
Textauszug ▲ und Grundriss-Zeichnung ▼ aus den Wettbewerbsunterlagen der Ausloberin: Stadt Chemnitz
Auszug aus der Erläuterung des Wettbewerbsbeitrags ▼
(…)Auf dem Markt von Chemnitz bilden Bauwerke aus den unterschiedlichsten Epochen ein Ensemble das die wechselhaften Entwicklungen der Stadt widerspiegelt. Immer wieder hat sich Chemnitz neu erfunden und hat hierbei als „Stadt der Moderne“ erfinden als solches zu ihrem Charakteristikum gemacht.
Technische Erfindungskraft, die sich im Brunnen darstellt ist in diesem Sinne ein handgreiflicher Bezug zur Chemnitzer Stadtgeschichte. Das Material scheint zunächst unüblich für eine Brunnenfigur. Die Art der Aufhängung und die Auflösung der Gesamtform in Fragmente, sowie die gleichwertige Inszenierung von Licht und Wasser sind neue Darstellungsformen eines bekannten Themas
Die Gestalt des Brunnens ist eine räumliche Interpretation aus Elementen des historischen Stadtwappens und dem gegenwärtigen Signet der Stadt. Der Brunnen ist damit wie eine Klammer aus ganz Altem und ganz Neuem und wirkt wie ein Schlussstein an einem exponierten Ort auf dem Marktplatz.
Neben ihrer elementarsten Funktion – der Versorgung mit Wasser – waren und sind Brunnen zu jeder Zeit ein Treffpunkt, eine Landmarke, ein Bezugspunkt und ein Ort der Repräsentation.
Der Grundriss der Brunnenanlage folgt den Signet von Chemnitz. Die klassische Pose des Meißner Löwen aus dem Stadtwappen ist zwar noch angedeutet, sie wird aber in eine weniger formale Haltung uminterpretiert. Beide Löwenfiguren sollen in klassischem Sinne „wasserspeien“ und durch alternierende kleine Fontänen in den Wasserbecken ergänzt werden.
Einen Teil des Jahres führt der Brunnen kein Wasser. Deshalb soll das Objekt durch die gezielte Inszenierung von Lichtes eine weitere Attraktion erhalten die ihre Wirkung auch unabhängig vom Wasser entfalten kann.
Die Beleuchtung der Tierfiguren: Das mattierte Glas wird von innen erleuchtet werden und die Meißner Löwen in unterschiedlichen Lichtfarben interpretieren. Einzelne Pflastersteine im Boden um den Brunnen werden durch leuchtende Pflastersteine aus Glas ersetzt um das „C“ aus dem Signet der Stadt als Teil der Lichtinszenierung zu zeigen.
Aufsicht des Entwurfs im Vergleich zum Signet und zum Wappen der Stadt Chemnitz ▲
KUNST AM BAU MULTIFUNKTIONSARENA ERFURT – 2016 99096 Erfurt, Arnstädter Straße 55
Aufgabenstellung des Auslobers / Forderungen an den Künstler:
Das Multifunktionsgebäude und/oder dessen unmittelbare Umgebung soll durch einen eigenständigen künstlerischen Beitrag eine Akzentuierung erfahren. Dabei soll der Beitrag die Integration in die Umgebung beachten sowie durch seine künstlerische Qualität und Aussagekraft beeindrucken. Hierfür stehen das Areal vor dem Haupteingang, die lange Fassade der Ostseite des Gebäudes und/oder das Foyer zur Verfügung. Im Ergebnis soll ein Kunstwerk stehen, das als eine Art Signet, eine ikonische Gestaltung, die Imagefunktion besitzt. Die Kunst am Bau soll sich hierbei auf das Baugrundstück beziehen und zugleich den verschiedenen Funktionen und Adressatenbezügen (Sport und Kultur) des Ensembles Rechnung tragen.
Das Kunstwerk unterliegt keinen Einschränkungen bezüglich Größe, Form und Material.
Grundriss der Multifunktionsarena mit Markierung des Wettbewerbsgebiets
Textauszug und Grundriss-Zeichnung aus den Wettbewerbsunterlagen des Auslobers:Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Erfurt
Kunstwettbewerb – Neubau des Büro- und Veranstaltungs-gebäudes der Rosa-Luxemburg Stiftung in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg
Mit diesem Kunstwettbewerb möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Ideen und Entwürfe für den Stiftungssitz erhalten, die ihrem öffentlichen Auftrag und ihren gesellschaftlichen Intentionen entsprechen. Den Vorgaben der Bundesrepublik Deutschland folgend, wird im Rahmen der Baumaßnahmen ein zweiphasiger deutschlandweit offener Kunstwettbewerb ausgelobt. Aus dem Wettbewerb soll eine künstlerische Leistung geschaffen werden, die sich mit der politisch-bildenden, inhaltlichen, räumlichen, architektonischen und institutionellen Situation der Rosa-Luxemburg-Stiftung auseinandersetzt. Die Kunst am Bau kann sich dabei sowohl in die baulichen Strukturen einfügen als auch eine eigenständige gestalterische Position entwickeln.
Aufgabenstellung zur weiteren Bearbeitung Die besondere Eigenschaft der Kunst am Bau und der Kunst im öffentlichen Raum liegt in ihrer Orts- und Situationsbezogenheit. Ihr bietet sich die außerordentliche Möglichkeit einer besonderen ästhetischen und thematischen Aussage gegenüber einem breiten Publikum. Mögliche Bezugspunkte für die Kunst können sein:
die politische Ausrichtung der Stiftung: eine emanzipatorische, demokratisch- sozialistische Bildungsarbeit
die Institution und ihre Geschichte
der Standort im Stadtraum in seinen Spannungen und Bezügen
die Namensgeberin der Stiftung: Rosa Luxemburg
die kritische Reflexion der Traditionen politischer Kunst im öffentlichen Raum,
die Architektur als ein formaler Rahmen und gestalterische Grundlage.
In diesem Rahmen gilt es, eine mehrsinnige und erfahrbare Gestaltung zu schaffen.
Alle zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen sind möglich und das schließt auch Formen einer partizipatorischen Kunstpraxis mit ein. Eine Wirkung in den öffentlichen Stadtraum ist ausdrücklich erwünscht.
Grundriss des GebäudesAnsicht des Gebäudes in Ri. Haupteingang
Textauszug, Grundriss-Skizze und Ansichtszeichnung aus Ausschreibungsunterlagen der Ausloberin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin
Landmarke
Die Hauptmasse des neuen Gebäudes der ROSA LUXEMBURG STIFTUNG ruht auf einem geschosshohen Ringanker aus sich kreuzenden diagonalen Trägern. Die 18 Trägergruppen bilden hierbei jeweils die Form eines „X“. Diese Formen sind ein architektonisches Kernmerkmal des gesamten Gebäudes. Die Skulptur nimmt dieses Formthema auf und interpretiert es auf eigenständige Weise: Einer rigiden tragenden Form wird die organisch fließende Entwicklung eines Objektes im Raum gegenüber gestellt. Einerseits wird dadurch die Formsprache des Gebäudes zitiert und andererseits wird die Strenge der Objektes aufgelöst und in einen anderen Zusammenhang überführt. Assoziativ lässt dieser Kontrapunkt eine Reihe unterschiedlicher Wahrnehmungen zu:
Neben dem Zitat auf die bauliche Struktur des Gebäudes
erinnert die Form auch an das Kreuz durch das eine politische Wahl manifestiert wird.
Im einfachsten Sinne ist es die weithin sichtbare konkrete Kennzeichnung eines wichtigen Ortes – eine Landmarke.
Die gegenwärtige und – mehr noch – die geplante architektonische Umgebung ist durch Rechtwinkligkeit geprägt. Die fließende organische Form bildet einen herausragenden Gegenpol.
Im Wahrnehmungszusammenhang des Gesamtgebäudes wird nicht ohne Grund auf eine mögliche Assoziation der x-förmigen Träger als verkürztes Signet des Namens von R. Luxemburg verwiesen.
Diesem Gedanken folgend ist die formale Grundlage und der dynamische Fluss der Plastik unmittelbar aus dem „x“ in der Unterschrift der Namensgeberin der Stiftung abgeleitet. Der Schriftzug wird räumlich interpretiert und an der südwestlichen Ecke des Gebäudes platziert. Hier entfaltet er Signetwirkung als Hinweis zum Haupteingang mit Fernwirkung vom Ostbahnhof und entlang der Sichtachse der Straße der Pariser Kommune. Für Besucher der Terrasse ist die aufstrebende Form aus der Nähe auch haptisch erfahrbar.
Blick von der Straße der Pariser Kommune in Richtung Ost ▲Blick von der Gleisebene des Ostbahnhofs ▲Ansicht der Skulptur von der Terrasse ▲Blick in Richtung Nord ▲Blick entlang der Straße der Pariser Kommune und zum Haupteingang – bei Tag ▲Blick entlang der Straße der Pariser Kommune und zum Haupteingang – bei Dunkelheit ▲
LANDMARK DER ELEKTROPOLIS Berlin-Oberschöneweide Stadtplatz Kaisersteg
Das Landmark der Elektropolis
Auf dem zentralen Stadtplatz von Schöneweide soll ein Landmark errichtet werden, das den Standort der ehemals bedeutenden Elektropolis charakterisiert. Ein „Hingucker“ mit Fernwirkung an der Spree, der das Thema „Energie“ anschaulich macht und spannend umsetzt. Eine künstlerische Installation, die die eigene Energie vor Ort produziert, speichert und verbraucht.
Der Standort Schöneweide steht für die Industriegeschichte Berlins:
Erbaut als eines der historischen Gründerzentren der Elektroindustrie, weiter gewachsen zum größten Produktionsstandort der AEG, nach 1945 ausgebaut zum größten innerstädtischen Industriegebiet der DDR mit 25.000 Werktätigen in den „Volkseigenen Betrieben“, nach der Wende zerteilt, verkauft, deindustrialisiert. Die leeren Produktionshallen wurden unter Denkmalschutz gestellt, doch Schöneweide geriet in Vergessenheit, litt unter einem denkbar schlechten Ruf. Seit 2009 zog die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) in Teile des Kabelwerks. Der neue Campus mit über 9.000 Studenten gilt heute als Motor und Hoffnungsträger für die zukünftige Belebung des gesamten Ortes. In den angrenzenden Industriearealen pokern die Eigentümer noch immer um die lukrativsten Aussichten für neue Nutzungen ihrer alten Hallen. Beauftragte Planungsbüros identifizieren Schöneweide derweil als Zukunftsort, der zusammen mit der benachbarten Wissenschaftsstadt Adlershof neueste Industrien und Technologien generieren soll.
Landmark – Aufgabenstellung
Das Landmark von Schöneweide ist angedacht als eine künstlerische Installation, die sowohl ästhetischen wie auch funktionalen Kriterien genügt. Als Standort wurde der Stadtplatz ausgemacht. In der Nähe der Spree, in Sichtweite des Anlegers, soll die Installation den Platz beleben und für Schöneweide – und hier insbesondere für den Tourismus am Standort – wirksam werden.
Das Landmark soll eine Identifikation mit dem Standort befördern.
Als „visueller Ankerpunkt“ soll es eine Attraktion sein, die Aufmerksamkeit schafft.
Es soll eine Fernwirkung haben, die auch Schiffspassagieren auffällt.
Das Landmark soll die Charakteristik des Standortes sichtbar machen: Hier ist die „Elektropolis“ – der einst bedeutende Standort der Energiewirtschaft.
Das Landmark soll die Thematik „Energie“ anschaulich und spannend umsetzen. (…)
Einbezogen werden soll die Möglichkeit, vor Ort Energie zu erzeugen, – z.B. durch eine Wind- oder Solaranlage -, die erzeugte Energie zu speichern und sie vor Ort zu nutzen – etwa für das „Auftanken“ von Elektrovehikeln (…)
Auszug aus den Auscheibungsunterlagen des Auslobers: Industriesalon Schöneweide e.V.
Erläuterungsbericht „Der Elektropolit“
Elektropolit ist ein Kunstwort. Es steht für alle Menschen die in der „Elektropole Berlin“ gearbeitet haben. Die Leistung mehrerer Generationen von vielen tausenden von dort arbeitenden Menschen, die besondere Erfindungskraft und Sorgfalt ihrer Arbeit sind unverzichtbarer Bestandteil der Geschichte von Oberschöneweide. Mit allen Licht- und Schattenseiten, denn die Arbeitsumstände in Oberschöneweide waren zu Zeiten problematisch und viele Menschen, die während des zweiten Weltkrieges dort arbeiteten, taten diese nicht aus freiem Willen. Der tätige, der schaffende Mensch – der Homo Faber ist hier der Elektropolit. Die Leistung all dieser Menschen ist der thematische Ansatzpunkt für die Landmarke.
Der „Donaumast“ Alle technischen und wirtschaftlichen Erfolge in Oberschöneweide sind mit der Nutzung von elektrischer Energie verbunden. Der Energietransport über weite Strecken ist elementar für die universelle Verwendung von Strom und infolgedessen war die Herstellung von Kabeln, Transformatoren und Isolatoren eines der zentralen Beschäftigungsfelder in Oberschöneweide. Das Bild von einem „Donaumast“ ist – im Gegensatz zu seinem Namen – so bekannt wie das einer Steckdose. Es ist wie diese verknüpft mit der Assoziation von elektrischer Energie. Sein Erscheinungsbild ist geprägt vom herben Charme einer Formfindung, die sich konsequent aus technischen Erfordernissen ableitet. Er ist der wohl häufigste Hochspannungsmast in Deutschland. Je nach Ausgabenstellung und Einsatzgebiet ist der Gittermast zwischen 30 und 50 m hoch. Er ist Teil des Landschaftsbildes und wird von uns unmittelbar mit Energie konnotiert. Dieser Mast ist das unverkennbare Ausgangsmaterial für die Landmarke.
Die Landmarke
Mit wenigen Eingriffen wird aus dem Mast die Idee einer menschlichen Figur abgeleitet und er wird damit zum zeichenhaften Symbol für den tätigen, den schaffenden Menschen, den Elektropolit. Die gestaltgebenden Elemente der Figur sind konsequent aus dem Hochspannungsträger abgeleitet um der beruflichen Identität der Beschäftigten in OSW ein strenges Abbild zu geben. Die erste figurative Symbolisierung der „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ trug eine Glühbirne als Zeichen für die neue Zeit. Der Elektropolit von Oberschöneweide trägt als Zeichen für zukunftsweisende regenerative Energieformen eine Windturbine als Produkt in seinen Armen. Das Industriegebiet in Oberschöneweide ist nicht ausschließlich ein historischer Ort, es ist ein Ort der Gegenwart und auch der zukünftigen Auseinandersetzung mit allen Fragestellungen der Nutzung von elektrischer Energie. Daher verweist der Elektropolit gleichermaßen in die Vergangenheit wie in die Zukunft.
Die generierte Energie soll in einem Speicher-Akku an der Basis der Figuration gepuffert und gespeichert werden. Der gewonnene elektrische Strom wird einerseits für die Beleuchtung der Landmarke genutzt und soll gleichzeitig in einer Strombar an der Basis der Trägers zur kostenfreien Verfügung gestellt werden. Eine Gruppe von Sitzbänken und Ladestationen in unterschiedlicher Formate und Ausgangsspannungen ermöglichen die Energie und ein zusätzliches freies W-LAN direkt vor Ort zu nutzen. Gleichzeitig kann jede Art mobiler Geräte, von Telefon bis zum elektrischen Fahrrad Akku hier geladen werden.
Beleuchtung Bei Dunkelheit verdeutlichen anstatt einer Glühlampe erleuchtete Konturlinien aus LED-Bändern die Figuration. Durch ein sehr langsames Wechselspiel der Lichtfarben und durch die jeweils unterschiedliche Betonung einzelner Linien wird sich der „Elektropolit“ als eine vielseitige Figur in unterschiedlichen Facetten zeigen.
Die Umsetzung Das Objekt wird aus den Bauteilen eines industriellen Hochspannungsmastes gebaut. Als Ausgangsmaterial können gegebenenfalls Bestandteile von gebrauchten Masten verwendet werden. Der Kopf (als Steuerglied) und die Turbine sollen drehbar ausgeführt werden. Entsprechend dem wechselnden Windeinfall am Standort werden sie sich jeweils in den Wind drehen um die Windenergie effektiv zu nutzen. Die Fußzone des Objektes soll in Sichtbeton ausgeführt werden. In den beiden Flanken können der Akkumulator und die technisch notwendigen Steuerungselemente sicher untergebracht werden. Die Sitzbänke sollen denen des Stadtplatzes entsprechen.
▲ Lageplan des Stadtplatzes▲ Luftbild des Stadtplatzes
Der Blick in Richtung SpreeuferDer Elektropolit bei Nacht ▲Die Akkuladestation im Fuß der Skulptur ▲▲ Der Elektropolit bei Nacht vom gegenüberliegenden Flussufer
Gestaltung im Freibereich dreier Neubauten der Löberfeld-Kaserne Erfurt, in 99096 Erfurt, Zeppelinstraße 18
Aufgabenstellung des Auftraggebers
Forderungen an den Künstler: Das Kunstwerk soll ein eigenständiger Beitrag zur Bauaufgabe sein, das einen Bezug zur Landschaftsarchitektur herstellt, die Integration in die Umgebung beachtet sowie durch künstlerische Qualität und Aussagekraft beeindruckt. Die Kunst am Bau soll sich hierbei auf das Baugrundstück beziehen und sich im Kontext des Ensembles befinden. Der Beitrag soll unter dem Thema „SCHUTZ“ stehen. Der Begriff des Schützens kann hierbei durch die Begriffe: „Begleiten, Behüten oder Bewahren“ ergänzt oder ersetzt werden.
Begründung des Wettbewerbsbeitrags
Die gesamte Architektur des Geländes ist von nüchterner Geradlinigkeit geprägt. Hierbei ist der Nutzen der einzelnen Gebäudeeinheiten kompromisslos in den Vordergrund gerückt. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in der Gestaltung der Aussenanlagen wieder. Die einzelnen Gestaltungselemente (Sitzbänke, der Betonbodenplatten, Poller, Fahrradständer, Abfalleimer) scheinen ausschließlich nach wirtschaftlichen und zweckorientierten Gründen eingesetzt zu sein. Dieser Linie folgt entsprechend auch der Vorschlag für das Kunstwerk: Die verwendeten Materialien und Formelemente des Objektes sind streng auf die in der Landschaftsplanung bereits eingeführten Formen reduziert. Die thematische Vorgabe für das Kunstwerk ist unmittelbar an der Funktion des Gebäudekomplexes orientiert. So nüchtern die einzelnen Elemente des Kunstwerks auch sein mögen, es lässt sich dennoch, mit diesen streng reduzierten Mitteln, die inhaltliche Aussage formulieren:
Der Schutz gegen Bedrohungen. Hierzu werden die Objekte aus ihren unmittelbaren Verwendungszusammenhang gelöst und in eine neue Beziehung zueinander gestellt. Durch die Anhäufung der Pollerformen können sie als Gruppe von Individuen gelesen werden. Der Fahrradbügel (bzw. die Rahmenkonstruktion der Überdachung des Fahrradabstellplatzes) wird durch die Änderung der Anordunung zur Idee einer schützenden Struktur. Die Betonsitzstufe wird durch die geänderte Orientierung im Raum zum Symbol zu einer nachhaltigen Gefahr. Dieser Bedrohung wird durch die schützende Bügelstruktur verläßlich Einhalt geboten.
Der Reiz der visuellen Umsetzung des Themas liegt in der strengen Begrenzung und Klarheit der Aussage. Auf diese Art integriert sich das Kunstwerk in Duktus und Haltung einerseits in die Umgebung des Gesamtkomplexes und schafft gleichzeitig ein unübersehbares Zentrum, das die Aufgabe der am Ort arbeitenden Menschen illustriert.
Verwendete Materialien: Verzinkter Profilstahl (rechteckiger Querschnitt) mit Lackierung entsprechend Oberflächengüte und Glanzgrad der umgebenden Möblierung. Betonträger in Farbton und Oberflächenstruktur der Sitzbänke.
Kunst am Bau Offener Wettbewerb zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für das HAUS DER ZUKUNFT, BERLIN
Ziel des Wettbewerbs:
Mission, Aufgaben und generelle inhaltliche Konzeption des Haus der Zukunft Das Haus der Zukunft versteht sich als Agent für Zukunftsdialoge zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Aspekte der Mission sind u.a.:
Neugierig auf die Zukunft machen.
Zur aktiven Mitgestaltung der Zukunft auffordern.
Die Bedeutung des Miteinanders von Wissenschaft, Wirtschaft,
Zivilgesellschaft und Politik im Sinne eines „Gesellschaftsvertrags für die Zukunft“ unterstreichen.
Daraus ergeben sich insbesondere folgende Kernaufgaben:
Zukunftsbereiche thematisieren und deren Interdependenzen aufzeigen;
Die besondere Rolle von Wissenschaft sowie deren Arbeitsweisen für die Bewältigung von Zukunftsaufgaben erklären und hierbei auch die Grenzen der Wissenschaften sowie andere Formen des Wissens diskutieren;
den Dialog zwischen Wissenschaften, Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Kunst gestalten;
Möglichkeiten der Partizipation an der Gestaltung von Zukunft aufzeigen und organisieren
Dialog mit und Reaktion durch die Politik ermöglichen bzw. einfordern. Die Besucher sollen in ihren Alltagswelten abgeholt werden.
Themen wie etwa Gesundheit, Ernährung, Energie, Wohnen, Städtebau, Arbeiten und Wirtschaften sollen „in die Zukunft“ geführt werden, wobei folgende inhaltliche Prinzipien verfolgt werden sollen:
Systemische Vernetzungen darstellen (z.B. anthropozäne Sichtweise: „alles hängt mit allem zusammen, Auflösung des Dualismus zwischen Mensch und Natur)“
Offenheit der Zukunftsgestaltung bei jedem Themenfeld durch verschiedene Zukunftspfade aufzeigen. Hierbei können jeweils die Pfade „Business-as-usual“, Reaktivität, Suffizienz, Bioadaptivität und „hightech“ aufgezeigt und deren grundsätzliche Verhandlungs- und Mischfähigkeit herausgestellt werden.
Partizipation einbauen. Dies kann etwa durch konkretes Ausprobieren, virtuelles Testen, partizipative Datengenerierung oder bereichsweise durch Co-Design erreicht werden. Geeignete Formate dazu sind insbesondere im als „Reallabor“ nutzbaren Untergeschoss umsetzbar.
Auszug aus den Wettbewerbsunterlagen bzw. dem Anforderungsprofil der BAM Deutschland AG 70191 Stuttgart
Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Uni Potsdam Kunst am Bau Wettbewerb 2014 IKMZ, Potsdam-Golm
Ziel des Wettbewerbs
ist die künstlerische und konzeptionelle Auseinandersetzung mit dem Gebäude und dem Ort sowie seiner Nutzung. Gemäß dem Slogan der Universität „Wo Wissen wächst“ soll die Kunst am Bau das Anliegen des Landes Brandenburg und der Universität Potsdam unterstützen, den Eindruck eines jungen, modernen und zukunftsorientierten Hochschulstandortes zu unterstreichen. Die Kunst am Bau soll dauerhaft sein, einen geringen Pflege- und Wartungsaufwand und möglichst wenig Veränderungen an dem bereits fertig gestellten Bauwerk erfordern und die Nutzung nicht beeinträchtigen.
Auszug aus der Auslobung: Wettbewerb Kunst am Bau der Universität Potsdam (IKMZ)
Begründung des Wettbewerbsbeitrages:
Die Selbstverortung der Universität Potsdam als Stätte, „wo Wissen wächst“, führt fast notwendig zu der Frage, „wie Wissen wächst“. Ein Haus der Bücher legt fast ebenso notwendig die Beschäftigung mit Text, mit Texten nahe. Aus der Frage nach dem WIE und über das Medium der Information entwickelt diese Arbeit ihren künstlerischen Ansatz. Ein Hauptinteresse der Nutzer einer Bibliothek ist einen Ort vorzufinden an dem konzentriert und zielgerichtet gearbeitet werden kann. Der Architektur des IKMZ in Golm ist diese Prämisse klar unterlegt.
Das Einbringen einer künstlerischen Äußerung an den Leseplätzen oder in den Magazinen kann die Aufgabe des Gebäudes daher nicht unterstützen. Dieser Erkenntnis entnimmt die Arbeit ihre Standortwahl:
Das IKMZ ist punktsymmetrisch aufgebaut. Zwei sich diagonal gegenüberliegende Treppenhäuser erschließen die öffentlich genutzten Gebäudeteile. Die Bibliothek ist räumlich so verdichtet, dass die Treppenräume als einzige reine Verkehrsflächen verbleiben. Zudem sind sie natürlich der vertikale Erschließungsweg durch horizontal funktionierende Nutzungsflächen. Sie prädestinieren sich also in zweifacher Hinsicht für die Installation künstlerischer Äußerung. Sie sind aus den Bereichen der konzentrierten Arbeit herausgenommen und sie unterstützen in ihrer Vertikalität das Vorstellungsbild von „Wachstum“. Die Treppenzüge führen zu den gleichen Orten im Gebäude, sie unterscheiden sich einzig durch ihre farbliche Gestaltung. Das westliche Treppenhaus wirkt über die Farbe Orange kühl, zurückhaltend und sachlich, das dem Campus zugewandte wirkt über Rot warm und sinnlich. Auf diesen Unterschied bezieht die Arbeit zwei unterschiedliche Formen der Aneignung von Wissen: Den systematischen, kühlen, strukturierten Zugang etwa über die Auswertung von Grundlagenermittlungen und antagonistisch dazu den Zugang über das Ergründen und Entwirren komplexer Systeme. Die Arbeit ordnet dabei den systematischen Zugang dem orangen Treppenhaus zu, letzteren dem roten – sie verbindet das Kühle mit dem Kühlen, das Sinnliche mit dem Sinnlichen. Es werden pro Treppenhaus zwei bzw. drei eng aufeinander bezogene Objekte vorgeschlagen, die sich mit der Wissensaneignung und ihrer sinnlichen Qualität auseinandersetzen. Alle fünf Objekte entwickeln sich aus den gleichen Ausgangselementen: langen Textsträngen, vielleicht vergleichbar mit den Telex-Streifen aus längst vergangenen Zeiten. Die Texte auf den Streifen sind Buchpassagen der unterschiedlichen Wissensgebiete aus dem Bestand der Bibliothek. Diese Grundelemente werden zu Plastiken gehäuft, geordnet, verwunden oder verwoben, sie wirken umeinander und durcheinander. Durch die räumliche Anordnung der Streifen, durch Licht und Schatten entstehen spannungsreiche, dynamische Formzusammenhänge, auf denen die unterschiedlichen Textabschnitte teils lesbar, teils nur zu erahnen, teils sogar verborgen sind. Dennoch lässt die Körperlichkeit der Streifen Verbindungen von inhaltlich unverbundenen, teilweise sogar verborgenen Textbausteinen selbstverständlich erscheinen – die Assoziation von DNA-Strängen liegt nahe. Der Knoten (rotes Treppenhaus, EG) ist das Bild für die verschlungenen Erscheinungen der äußeren Wirklichkeit, innerlich zwar einer strengen Logik folgend, äußerlich aber verworren und vielfältig. Seine Entwirrung, die „Lösung“, bringt die Klarheit und den Wissenszuwachs. Die scheinbar geordnete Struktur (oranges Treppenhaus, EG) ergibt erst aus der Verknüpfung der aus ihr abzuleitenden Einzelstränge das Netz, das Wissen schafft. In beiden Treppenhäusern ist dies die künstlerische Aussage: die Entstehung von Wissen über seine Entwicklungsschritte, über die Entwirrung (rot) oder die Zusammensetzung (orange). Für beide gilt: erst die „Entwicklung“ des vorgefundenen führt zur Entstehung von Wissen. Die verwendeten Texte sind Auszüge aus wissenschaftlichen Werken des Bibliothekbestands. Während die Texte der Skulpturen in EG völlig ungeordnet erscheinen, erhalten die Texte der Skulpturen im 3.OG eine etwas erhöhte Kohärenz.
Auswahlverfahren für die künstlerische Gestaltung eines Mahnmals zur „Hexenverfolgung“ in Bamberg
(…) Ziel des Wettbewerbs
Ziel des Wettbewerbes ist die künstlerische Gestaltung eines Mahnmals, das an die Verfolgung, Erniedrigung, Folterung und Ermordung von vermeintlichen Hexen im Hochstift Bamberg erinnert und gleichzeitig mahnend und anregend in die Gegenwart und Zukunft wirken, sich aktiv gegen Vorurteile, Ausgrenzungen, Denunziation, Machtmissbrauch und einseitiges Denken zu engagieren.
Historischer Kontext
Die Hexenverfolgungen des frühen 17. Jahrhunderts im Hochstift Bamberg ordnen sich ein in ein gesamteuropäisches Phänomen – und sind doch singulär hinsichtlich Zahl der Opfer und der Besonderheiten der Verfahren. In drei Prozesswellen mit vermutlich unterschiedlichen Hintergründen, wurden zwischen 1612 und 1630/31 etwa 1000 Frauen, Männer und Kinder unterschiedlichster sozialer Herkunft, nach teils unsagbaren Folterungen grausam hingerichtet. Ein großer Teil der Namen der Gefolterten und Ermordeten ist bekannt, eine komplette Namensliste liegt aber nicht vor. 1627 wurde in Bamberg das sog. Malefiz-Haus gebaut, in dem die Angeklagten gefangen gehalten und gefoltert wurden. Einen entscheidenden Einfluss hatte mit seinen Predigten und Schriften der Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner. Der Reichshofrat beendete 1631/1632 die Verfolgungen und Prozesse in Bamberg, was u.a. daran lag, dass das Verhalten der Bamberger Obrigkeit bei den Verhaftungen, Prozessen und Folterungen bereits gegen die zu dieser Zeit herrschende Rechtsprechung verstieß. (…)
(Textauszug aus den Ausschreibungsunterlagen des Auslobers: Bürgerverein Bamberg-Mitte )
Wettbewerbsgebiet
Foto des Wettbewerbsgebiets am Geyerswörthschloß ►
Areal des Geyerswörthschloß ▲ ►Bild und Grundriss-Skizze: Stadtplanungsamt der Stadt Bamberg
Amoklauf am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen Errichtung einer Gedenkstätte im Stadtgarten in Winnenden Wettbewerb 2013
Anlass und Ziel des Wettbewerbs:
Am 11. März 2009 fand in der Albertville-Realschule in Winnenden ein Amoklauf eines ehemaligen Schülers statt, dem drei Lehrerinnen und neun Schülerinnen und Schüler zum Opfer fielen. Auf der Flucht des Täters kamen in Winnenden und Wendlingen drei weitere Menschen ums Leben. Der Täter nahm sich selbst das Leben. Nach dem Amoklauf wurde in der in Sichtweite der Albertville-Realschule gelegenen Hermann-Schwab-Halle sowie in dem Stadtgarten ein Krisen und Informationszentrum eingerichtet, bei welchem die meisten Angehörigen der Opfer vom Tode ihrer Familienmitglieder erstmals erfahren mussten. Die Tat hat nicht nur bei den Angehörigen der Opfer, sondern bei allen, die diese Tat miterleben mussten sowie bei der gesamten Bevölkerung in Winnenden und weltweit große Trauer und Bestürzung ausgelöst. Daher soll als Ort der Trauer und des Gedenkens an die Opfer dieser schrecklichen Tat im Stadtgarten, welcher in der unmittelbaren Umgebung und in Sichtweite des Tatortes liegt, eine öffentliche und allgemein zugängliche Gedenkstätte errichtet werden. Die Stätte soll allen Menschen die Möglichkeit geben, einen Ort aufzusuchen, an welchem sie innehalten und sich ihrer Trauer, ihres Gedenkens und ihrer Verbundenheit mit den Opfern widmen können, welcher aber gleichzeitig auch Zuversicht für die Zukunft zu vermitteln vermag. Die Gedenkstätte soll Symbol sein gegen Gewalt und für Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen.
(Textauszug der Ausschreibungsunterlagen des Auslobers: Stadt Winnenden)
Lageplan mit der Position des Entwurfs ▲
Auszug aus der textlichen Begründung des Entwurfs
Dieser Ort soll das Gedenken an Menschen ermöglichen, die durch ein tragisches Schicksal aus dem Leben gerissen worden sind. Die Gedenkstätte sucht keine Erklärungen, kann keine Antworten geben und sicher keine Schuld zuweisen. Das Denkmal soll in Ruhe und Würde an die Toten erinnern sowie den Hinterbliebenen und Betroffenen ein Ort sein, der Raum gibt für die Trauer und die Verarbeitung des furchtbaren Schicksals.
Beschreibung:
Im Schatten einer kleinen Baumgruppe liegt, fast ebenerdig, eine kreisförmige Wasserfläche in der Bäume und der Himmel reflektiert werden. Der Brunnen besteht aus einer sehr schwach gewölbten, kreisförmigen, schwarzen Fläche aus Naturstein. Die Namen aller Todesopfer sind auf drei konzentrischen Kreisen angeordnet, als Aussparung in den Stein gemeißelt. Gespeist durch einen Wasseraustritt in der Mitte des Steindiskus wird die gesamte Fläche sanft und gleichmäßig mit Wasser überflossen. An den Namensinschriften wird das Wasser kleine Strudel bilden. Dieser Effekt wird den Blick auf die eingravierten Namen richten und den Verlust dieser Menschen als sinnlichen Eindruck fassbar machen. Der schwarze Brunnenstein wird durch einen umlaufenden Weg aus Marmor eingefasst. Zwischen Brunnenstein und umschließendem Weg fließt das über den Steindiskus ablaufende Wasser in eine schlanke Rinne, die in der Tiefe durch perforiertes Edelstahlblech abgedeckt ist. Besucher werden diesen Graben nutzen um mitgebrachte Schnittblumen einzusetzen. Das fließende Wasser wird die Blumen, gleich einer Vase mit Wasser versorgen. Der Ort des Brunnens befindet sich unter einer bestehenden Baumgruppe (…) in direkter Sichtverbindung zur Albertville-Realschule. Die Anlage wird durch drei leicht geschwungene Wege erschlossen. Am Weg von der Hermann-Schwab-Halle zur Brunnenanlage befindet sich seitlich ein Marmorsockel auf dem senkrecht eine Glasfläche eingelassen ist. In diese Glasplatte ist der Todestag der Opfer des Amoklaufes in schwarzer Schrift eingelassen. Vor der Glasplatte ist ein Leitsatz aus der Rede des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler auf den Steinsockel gesetzt: Wirklich wichtig ist, dass wir uns umeinander kümmern, dass wir uns gegenseitig annehmen und dass wir füreinander da sind. (Horst Köhler)
Wirkung:
So wie fließendes Wasser als ein Symbol für Leben wahrgenommen werden kann, ist ein Hain ein Ort um zu sich zusammenzufinden. Die Reflexion des Himmels und der Natur im Wasser schafft eine kontemplative Insel der Ruhe. Die Namen der Opfer sind zentraler Teil des Ganzen. Besucher werden zuweilen Blumen in die Umgrenzung des Brunnensteins setzen und durch diese gedenkende Handlung den Ort mit Leben erfüllen.
Der Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund ist eine Großsiedlung der 1970er Jahre mit einer Vielzahl von Nationalitäten und Bewohnern mit Migrationshintergrund. Der Stadtteil feiert im kommenden Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Der Förderkreis em.art hat sich zum Ziel gesetzt, den Stadtteil durch Kunst- und Gestaltungsprojekte im öffentlichen Raum aufzuwerten. Die Identifikation der Bewohner /innen mit ihrem Stadtteil soll gestärkt, die Beziehungen der Bewohnergruppen untereinander belebt und das Image des Stadtteils verbessert werden. Eine Bewohnerbefragung hat den dringenden Wunsch bestätigt, den betonlastigen Hochhaus-Stadtteil gestalterisch zu verbessern. Ein Künstlerwettbewerb soll Ideen und Entwürfe hervorbringen, wobei bis zum Stadtteiljubiläum 2013 ein erstes Projekt umgesetzt werden soll, (…)
HIER IST ES BUNT
Beschreibung der künstlerischen Ziele des Entwurfs: Das Zeichen referenziert die Fläche vom Emmertsgrund. Auf den vertikal gestellten Flächen werden die Gebäudegrundrisse vom Emmertsgrund als Objekte aus unterschiedlichem farbigem Glas gezeigt. Sobald das Zeichen vom Betrachter identifiziert wird ist es einfach und klar zu lesen. Ohne die Assoziation zum Stadtteil bleibt das Objekt zunächst eine vielfältig interpretierbare Umrissform mit sehr farbigen leuchtenden Glaselementen.
Das Zeichen soll – die Kenntnis des Ortes vorausgesetzt:
leicht zu lesen sein und die kulturelle Vielfältigkeit seiner Bewohner symbolisieren.
für den Ort eindeutige positive Identifikationsebene bilden.
durch das Fehlen der üblichen Straßenbezüge ein spielerisches Suchen und Finden des „eigenen“ Gebäudes in untypischer Darstellung provozieren.
– wenn der Betrachter den Ort nicht kennt:
Neugierde hervorrufen
die Assoziation großer vielfarbiger Unterschiedlichkeit hervorrufen, die als Gesamtbild gesehen zu einem harmonischen Ganzen führt.
Projektvorschlag „HIER IST ES BUNT“ ▲ Projektvorschlag „HIER IST ES BUNT“ bei Nacht ▲
Realisierung:
Integriertes Handlungskonzept Emmertsgrund/Umsetzungsbericht 2012 – 2013 Auszug: Kunst im Emmertsgrund: Brücken u. öffentlicher Raum künstlerisch gestaltet. (…) Der Verein „em.art – Kunst im Emmertsgrund“ hat sich 2012/13 vor allem für die künstlerische Gestaltung der Brückenbauwerke und des öffentlichen Raums im Emmertsgrund eingesetzt (..). Mit Hilfe von Spendenmitteln konnten bereits zwei von drei Brücken im Emmertsgrund künstlerisch gestaltet werden. Die dritte Brücke soll bis Mitte 2014 umgesetzt werden. (…)
Wettbewerb der ArsNatura Stiftung „Kunst an der Grenze“ – 2013
„Kunst an der Grenze“ bezieht sich im gegebenen Zusammenhang auf die innerdeutsche Grenze bis 1989. In der Ausschreibung der Wettbewerbs wurden lediglich grobe Rahmenbedingungen hinsichtlich des räumlichen Bezugs und der baulichen Beschaffenheit der Kunstobjekte formuliert.
Das Unmögliche möglich machen
Projektbeschreibung: Ein kleines Ruderboot auf einem Hügel scheint völlig deplatziert und gehört zu den Dingen die an einem solchen Ort definitiv nicht erwartet werden. Das Bild bzw. der Eindruck ist schön: Das Blau des Himmel findet unerwartet eine Fortführung am Boden. Der feingliedrigen, ausgreifenden organischen Form der umgebenden Flora ist eine klare und eindeutig identifizierbare Gestalt entgegen gesetzt. Die Irritation entsteht durch den bekannten Nutzungszusammenhang eines Bootes. Irgend etwas ist hier nicht wie es sein soll, zumindest nicht so wie es erwartet werden sollte. Daher werden unwillkürlich Spekulationen ausgelöst. Ob dieses Objekt nun ein verlassenes Relikt einer geglückten Flucht während der jüngeren deutschen Vergangenheit ist oder ob dieses Boot Hilfsmittel für eine künftige Flucht sein könnte erschließt sich nicht. Die innerdeutsche Grenze wurde von Menschen immer wieder durch zum Teil sehr eigenwillige Methoden überwunden. Wer hätte gedacht dass eine Flucht im Handschuhfach eines Cadillacs möglich sein sollte, dass ein selbstgebauter Heißluftballon zwei Familien den Weg nach Westen eröffnet?
So wenig ein Ruderboot auf einem Hügel wie ein adäquates Fortbewegungsmittel erscheint – so sehr ist es gleichzeitig eine Metapher für die Idee sich einfach hinwegzubewegen, aus eigener Kraft, aus eigener Entscheidung, hin zu einem selbstgewählten Ziel. Zunächst scheint es naheliegend diesen Gedanken ausschließlich auf die ehemalige innerdeutsche Teilung zu beziehen aber er führt darüber hinaus. Es ist ein universeller Wunsch Begrenzungen einfach zu überwinden, sei es nun durch das orientalische Bild eines „Fliegenden Teppichs“ oder durch die Vermutung dass die „Freiheit über den Wolken“ grenzenlos wäre. In einer Nussschale den Ozean zu überqueren, mit einem Ruderboot durch den Himmel zu reisen, mit einer Arche die Stürme der Zeit zu überwinden – so wenig diese Vorstellungen einer fassbaren Realität entsprechen so sehr sind sie Ausdruck und Antrieb für menschliches Sein und Handeln. Dies ist heute so gültig wie in der Vergangenheit oder der Zukunft. Ruderboote sind für die konkrete menschliche Nutzung ausgelegt. Ich halte es daher für wünschenswert dass sich die Betrachter das Objekt aneignen, sich hineinsetzen und es wie eine Bank am Rand des Weges nutzen.
Standortvorschlag: Das Boot soll an einem Ort montiert werden an dem so ein Objekt offensichtlich nicht hingehört. Dies könnte etwa Oben auf einem Hügel sein oder an der oberen Kante eines Abhanges. Für die Wahrnehmung des intendierten Zusammenhanges ist Fernwirkung und der Himmel von wesentlicher Bedeutung
Beispielhafte Installation auf einer Anhöhe mit Fernsicht ▲Beispielhafte Installation im Wald ▲Beispielhafte Installation am Wegesrand ▲
Technische Beschreibung: kleines Ruderboot etwa. 355 x 175 x 86 cm (LxBxH), hellblau lackiert aus Holz oder Aluminium. Das Objekt soll ebenerdig auf ein für den Betrachter nicht wahrnehmbares Betonfundament gesetzt werden. Um zu verhindern dass sich Regenwasser im Objekt ansammelt soll das Boot am tiefsten Punkt des Kiels eine Drainage erhalten.
Realisierung:
Das Projekt „Das Unmögliche möglich machen“ wurde nicht realisiert.
„Kunst an der Grenze – ARS NATURA Exterior“ zeigt realisierte Projekte: http://www.ars-natura-stiftung.de (ARS NATURA-Stiftung; 34286 Spangenberg)
Ein kontinuierliches Band – 2012/13 – Fa. Heinrich Schmid GmbH & Co. KG – Reutlingen
Reutlingen, Siemensstraße
Die Fa. Schmid hat im Gewerbegebiet „In Laisen, Reutlingen‟ umfangreiche Neubauten errichtet. Das bebaute Areal wird durch die Siemensstraße in zwei einander gegenüberliegende Teile gegliedert. Während ein Bereich für die Verwaltung des Gesamtunternehmens konzipiert ist, wurde das gegenüberliegende Gelände mit einer Betriebshalle bebaut. Das Kunstwerk gliedert sich entsprechend dieser organisatorischen Anlage in zwei Teile: Auf der „Verwaltungsseite‟ befindet sich diese etwa 14,5 mtr. hohe Skulptur. Das Objekt zeigt die Silhouetten der drei Unternehmergenerationen als ein kontinuierliches Band aus Stahl. Die drei Gesichtsprofile sind vor drei einander durchdringenden halbtransparenten Wänden angebracht.
Die Skulptur:
Ansicht der Plastik von der Siemensstraße in Richtung Südost▲Gesamtansicht der Plastik aus der Gegenrichtung ▲
Gitterstruktur der Plastik ▲Detailansicht der Plastik ▲
Wandelemente: Die Wände bestehen aus einem regelmäßigen Raumgitter aus verzinktem Stahlrohr mit einem quadratischen Querschnitt vom 40 x 40 x 3 mm. Das Achsmaß der Gitterkonstruktion ist 550 x 550 x 700 mm (B x T x H). Vom Boden bis zu einer Höhe von +40 cm wird die Wandkonstruktion durch abnehmbare Metallkassetten verblendet. Ober- halb dieses Sockels wird die Raumgitterkonstruktion allseitig mit einem Architekturdrahtgewebe z.B. „ARTOS Sigma4‟ – Edelstahl, ca. 56% Deckung bespannt. Das Drahtgewebe ist mit 100 mm Abstand vor der Raumgitterkonstruktion montiert.
Die Profile: Die Gesichtsprofile bilden ein kontinuierliches Band und durchdringen die Raumgitterwände an drei Stellen. Die Silhouetten sind als Kastenprofil mit einer Tiefe von 300 mm hergestellt. Die Profilbreite in der Frontansicht variiert. Der lichte Abstand zwischen Architekturgewebe und dem Kastenprofil der Silhouetten beträgt 100 mm.
Beleuchtung: Die Wände sind von innenliegenden Up- und Downlights von Oben und Unten indirekt beleuchtet
künstlerischer Ideenwettbewerb der Universität Rostock – 2012 im Rahmen der „Innensanierung des Hauptgebäudes“
Wettbewerbsaufgabe
Im Vestibül des Universitätshauptgebäudes soll ein Kunstwerk geschaffen werden, das die Besucher ins Gebäude leitet, sich im Raum des Vestibüls zu behaupten weiß, ohne ihn zu dominieren, und möglichst auch in Beziehung zum Leitspruch der Universität Rostock „Traditio et Innovatio“ tritt. Die wiederhergestellte Innenraumgestaltung von 1870 ist dabei zu berücksichtigen, sie wird im Auszug der restauratorischen Untersuchung beschrieben (…). Als mögliche Standorte für die Kunst am Bau sind der Luftraum ab 3 m über dem Fußboden und die Westwand des Foyers vorgesehen. Die Wand im mittleren Bereich in ihrer gesamten Höhe (inklusive Bogenfeld und Wandfläche hinter diesem) sowie rechts und links davon die Wandfelder auf Erdgeschoss-Niveau
Grundrisszeichnung der Eingangshalle ▲ Text- und Planauszug aus den Wettbewerbsunterlagen der BBL M-V Geschäftsbereich Rostock
historische Schnittzeichnung des Vestibüls ▲
Begründung des Gestaltungsvorschlages:
Die historische Anlage des Ensembles findet durch die Figur des Atlas seinen sinnvollen Schlusspunkt. Durch die Entfernung der Skulptur entsteht architektonisch eine Leerstelle.Der Vorschlag füllt diese Leerstelle in zweierlei Hinsicht. Zum Einen wird der Blick vom Eingang in Richtung Empore wieder durch eine im weitesten Sinn vergleichbare Form gefüllt. Die Horizonline der Kugel entspricht der angedeuteten Kreisform bzw. der Spiralform und der historische Träger der Weltkugel wird durch einen schlichten Stab ersetzt. Zum Anderen wird zur Idee des Altas eine gebrochenere Weltsicht entgegengehalten: Während der Atlas der Originalskulptur die Weltenkugel trägt, sind in der vorgeschlagenen Form die Verhältnisse gründlich geändert: Es ist eine skizzierte Menschfigur beileibe kein Gott (war es ein Halbgott?) die Teil des Geschehens ist. Diese Figur trägt nicht die Welt, sondern befindet sich auf einem ungeklärten Weg im Versuch seine Umgebung zu erfassen. Hier erfüllt sich die Forderung das Motto „Tradition und Innovation“ in die Gestaltung einzubinden: Einerseits wird die traditionelle Anlage der Eingangshalle erhalten bzw. wieder hergestellt gleichzeitig wird durch die Neuinterpretation des Themas der Originalskulptur eine geänderte Sichtweise des Weltverständnisses entgegen gehalten.
Montage des Skulpturentwurfs in ein Foto des sanierten Vestibüls ▲
Wettbewerb Kunst am Bau / Neubau Landtag Brandenburg in Potsdam – 2012
Aufgabenstellung:
Gewünscht wird die Konzeption und Ausführung eines oder mehrerer Kunstwerke, die im Rahmen der (…) erläuterten Bedingungen innerhalb eines oder mehrerer selbst gewählter Interventionsbereiche im Innenhof einen künstlerischen Akzent setzen.
Es wird erwartet, dass die Arbeit eigens für diesen Ort und diese Aufgabe entwickelt wird und dass dabei ein Konzept- und Situationsbezug hergestellt wird. Es ist gewünscht, dass in der künstlerischen Konzeption eine Auseinandersetzung mit dem Ort, der Bauaufgabe, der Geschichte, der Institution des Landtags und ihren Aufgaben stattfindet. Ein additiver, rein dekorativer Ansatz wird kritisch gesehen.
Es wird weiterhin erwartet, dass die Arbeit die Funktion und Bedeutung des Innenhofes als öffentlichem Raum aufgreift und unterstützt und somit zur städtebaulichen Belebung des Ortes beiträgt.
Gestaltungswettbewerb Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“- Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstr. 4 in Berlin – 2012
Anlass und Ziel In der Berliner Tiergartenstraße 4 befand sich ab April 1940 die Zentrale für die Organisation, die unter dem Decknamen „T 4“ – oder schlicht „Aktion“ – den Massenmord an Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich initiierte, koordinierte und durchführte. Über 70.000 Menschen fielen ihm zum Opfer, bis die Aktion am 24. August 1941 aufgrund öffentlicher Unruhe unterbrochen wurde. Das Morden begann bereits mit Kriegsbeginn im September 1939 und wurde nach dem August 1941 und mit dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 im gesamten Deutschen Reich und in vielen besetzten Gebieten, insbesondere im Osten, fortgesetzt. Die Erfassung, Selektion und Tötung der Anstaltspatienten war die erste zentral organisierte und systematische Massenvernichtung von Menschen durch die Nationalsozialisten. Dabei stellt „T 4“ nur einen Teilkomplex des Gesamtverbrechens gegen Anstaltsbewohner dar. Die Forschung geht derzeit von insgesamt 300.000 Opfern des sogenannten Euthanasie Programms in Europa aus. (…)
Bei Entwurf, Konzeption, Planung und Umsetzung des Gedenk- und Informationsortes ist zu berücksichtigen, dass:
in künstlerisch zeitgenössischer Gestaltung ein würdiger Gedenkort entsteht
der historische Ort sichtbar wird
über die nationalsozialistischen Krankenmorde, Zwangssterilisationen und andere damit zusammenhängende Verbrechen informiert und aufgeklärt wird
die Opfer des Krankenmordes mit ihren individuellen Lebensgeschichten gewürdigt und in der öffentliche Erinnerungskultur verankert werden
die Biographien der Täter, ihre Beteiligung am „Euthanasie“- Mordprogramm und ihre individuellen Entwicklungen nach 1945 dargestellt werden
auf bereits bestehende nationale und europäische Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen verwiesen wird.
Wettbewerbsaufgabe Für den Gedenk- und Informationsort wird eine Gestaltungskonzeption erwartet, die seiner nationalen Bedeutung im zeitgenössischen Gedenkkontext gerecht wird. Am ehemaligen Ort der Täter soll in würdiger Form der Opfer gedacht werden. Die wesentlichen Informationen von der Entstehungsgeschichte bis zu den heute andauernden Nachwirkungen der nationalsozialistischen „Erbgesundheits“-Politik und der Krankenmorde sollen angemessen vermittelt werden. Ziel ist es, durch die künstlerische Gestaltung des Ortes vielfältige Ansätze zur gedanklichen und emotionalen Auseinandersetzung mit der Gesamtthematik zu schaffen, die auch für nachfolgende Generationen erfahrbar bleiben soll. Die Adresse Tiergartenstraße 4 soll wieder kenntlich gemacht und in die künstlerische Auseinandersetzung mit der historischen Identität des Ortes eingebunden werden. Die am Ort selbst zu vermittelnden Informationen sind Teil eines komplexen Erinnerungs- und Vermittlungszusammenhangs. Daher sind konzeptionelle Lösungen in einem dem öffentlichen Raum angemessenen Umfang der Dokumentation auch in medialer Form zu erarbeiten, um bewusst werden zu lassen, welches Ausmaß nationalsozialistischer Verbrechen von diesem Ort der Täter ausgegangen ist.
Die vorhandene, in den Boden eingelassene Gedenktafel, mit der seit 1989 an die „vergessenen Opfer“ erinnert wird, ist in das Entwurfskonzept zum Gedenk- und Informationsort konzeptionell zu integrieren. (…)
Text- und Planauszug aus den Wettbewerbsunterlagen des Auslobers – Grundriss des ehemaligen Gebäudes Tiergartenstr. 4 ▲
Vor dem Hintergrund der Gesamtthematik des Gedenk- und Informationsortes ist in jeder Hinsicht ein barrierefreier Zugang zur öffentlichen Informationsvermittlung mit dem Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderungen von grundlegender Bedeutung
Realisierungswettbewerb für eine Wandgestaltung auf dem Areal der Indischen Botschaft; Berlin 2012
Entwurfsbegründung:
Lotosblüten und Pfauen sind indische Nationalsymbole die in allen Ethnien und bei allen Religionen gleichermaßen Wertschätzung und Akzeptanz erfahren. Diese Symbole können daher die gesamte Nation repräsentieren.
Auszug aus den Produktionsunterlagen ▲Farbdefinitonen für die Produktion ▲
Die Wandgestaltung befindet sich im Außenraum der Botschaft und ist nicht unmittelbar für die Öffentlichkeit zugänglich.
Offener Kunstwettbewerb für den Campus Wilhelminenhof der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Zielsetzung: Der Campus Wilhelminenhof der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) in Oberschöneweide konzentriert sich auf die Kernbereiche des Geländes der ehemaligen Kabelwerke Oberspree, auf dem im vergangenen Jahrhundert deutsche Industriegeschichte geschrieben wurde. (…) Aufgabe der Kunst soll es sein, ein eigenständiges künstlerisches Konzept für den Campus zu entwickeln. Vor dem Hintergrund der dargestellten Standortentwicklung werden für die künstlerische Konzeptfindung folgende Zielsetzungen formuliert: Die dargestellte historische Dimension und der stattgefundene Nutzungswechsel sollen mit künstlerischen Mitteln thematisiert und gewürdigt werden. (…) Im Zusammenhang mit der Neuordnung des Campus soll eine künstlerische Markierung für die Hochschule für Technik und Wirtschaft erfolgen. Der Campus Wilhelminenhof ist ein räumlich unverwechselbarer Ort an dem nicht nur gelernt, sondern auch gelebt wird. Ein Schwerpunkt soll daher auch auf die Stärkung der Aufenthaltsqualität des Außenraums gelegt werden. Aufgrund der Größe des Campus ist darauf zu achten, dass die Einzelstandorte für Kunst aufeinander bezogen werden und diese Korrespondenz für die Nutzer und Besucher erfahrbar wird. Damit soll auch eine Leit- und Orientierungsfunktion mit einer Stärkung des räumlichen Zusammenhangs einhergehen. (…) Hierzu werden drei, als verbindlich zu betrachtende Standorte als Bearbeitungsbereiche ausgewiesen:
Der Haupteingang unmittelbar an der Wilhelminenhofstraße mit dem trapezförmigen Vorplatz Hier bezieht sich die HTW sichtbar zum Ortsteil Oberschöneweide (Bearb.Bereich 1),
Text- und Planauszug aus den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb der Senatskanzlei Berlin
der für die unterschiedlichen Campusbereiche wie ein Gelenk wirkende Platzraum zwischen Gebäude E, F und dem denkmalgeschützten Akkumulatorenturm, der (…) in die künstlerische Konzeption mit einbezogen werden soll (Bearbeitungsbereich 2),
Text- und Planauszug aus den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb der Senatskanzlei Berlin
der unmittelbar am Wasser und dem Uferweg gelegene Außenbereich vor dem Gebäude G und dem geplanten Neubau des FKI mit seiner stadträumlichen Wirkung entlang der Spree (Bearbeitungsbereich 3).
Text- und Planauszug aus den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb der Senatskanzlei Berlin
Offener zweiphasiger Kunstwettbewerb Denkzeichen Georg Elser in Berlin 2010
Zielsetzung und Aufgabe
Es werden konzeptionelle Lösungsvorschläge für ein zeitgenössisches künstlerisches Denkzeichen erwartet. Ziel ist eine angemessene Ehrung der Person Georg Elser sowie eine Auseinandersetzung mit den historischen, politischen und moralischen Dimensionen seiner Tat. Der Einzeltäter und konsequente Kriegsgegner Georg Elser kann in keine traditionellen Kategorien des Widerstands eingeordnet werden. Daher sollten solche Pauschalisierungen im Entwurfsgedanken vermieden werden. Georg Elsers individueller Widerstand ist vor dem Hintergrund historischer und gegenwärtiger gesellschaftspolitischer Kontexte künstlerisch differenziert zu thematisieren. Die jahrzehntelange Auseinandersetzung um eine angemessene Würdigung Elsers ist dabei ebenso bedeutsam wie die Thematisierung des damaligen Widerstandes selbst. Im Entwurf sollen folgende Leitideen berücksichtigt werden:
den Widerstand und die Tat von Georg Elser zu den gesellschaftlichen Bewegungen der Zeit in ein Verhältnis setzen;
dem „individuellen Widerstand ein Gesicht geben“;
Mut und Grenzen der Zivilcourage thematisieren;
die Bedeutung der Tat von Georg Elser für die Gegenwart verdeutlichen und künftigen Generationen vermitteln.
Lageplan des präferierte Wettbewerbsbereichs und Textauszug aus den Wettbewerbsunterlagen der Berliner Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
Wettbewerb für Kunst am Bau am Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) Plaza
Leitidee und Leitfaden
(…) Das prägende Charakteristikum des Ortes manifestiert sich in der Grenze, die das Gebäude in eine Luft- und eine Landseite aufteilt. Diese Grenze, in den Plänen als „rotes Band“ eingezeichnet, trennt den Flughafen sowohl organisatorisch als auch baulich in zwei Bereiche. Vor diesem Hintergrund wurde als Leitidee das Thema der Grenze und der Grenzüberschreitung zwischen Land(seite) und Luft(seite) definiert. Die Reisenden überschreiten während des Reiseprozesses fortlaufend Grenzen. Unter diesem Thema subsumieren sich gleichermaßen tatsächliche Grenzüberschreitungen wie der Transfer durch die Sicherheitsschleusen, von „Unclean“ zu „Clean“ oder von nationalem zu internationalem Terrain. Ebenso werden Überschreitungen im übertragenen Sinne erfasst wie das Durchlaufen unterschiedlicher Beschleunigungsstufen oder emotionaler Erfahrungen.
Die Aufgabe der Kunst
Der Leitfaden des Kunstkonzeptes stellt den Zusammenhang zwischen Leitidee und ausgewählten Orten im Flughafen her, die durch Kunst bespielt werden sollen. Er beschreibt die Besonderheit des jeweiligen Ortes: die Grenze und die Grenzüberschreitung im Kontext der Charakteristik des Flughafens in eine Luft- und eine Landseite. (…) Die Art und Weise, wie die Besucher die einzelnen Orte erfahren, soll durch die Kunst beeinflusst werden.
Der Ort: „Plaza“
Planskizze und Textauszug aus den Unterlagen der Ausschreibung der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH (FBS)
Dem Flughafengebäude ist eine großzügige Platzanlage vorgelagert, die Plaza. Der vordere, gepflasterte Teil ist dem Eingangsbereich des Flughafens zugeordnet. Der hintere, durch eine Straße abgetrennte Bereich, der Airport City-Garden, soll erst im Zuge des Endausbaus gartengestalterisch angelegt werden (voraussichtlich 2035). Bis dahin erstreckt sich eine weite Wiesenfläche bis zu den sechs Meter hohen Böschungen der Erschließungsstrasse im Osten. Dieser Teil steht einer künstlerischen Interventionen zur Verfügung. (…)
An zwei Standorten soll je ein Kunstwerk realisiert werden. Das Kunstwerk kann jeweils aus einem oder mehreren Objekten bestehen. Die Art des anzubietenden Kunstwerkes bleibt offen. Es ist ein Bezug des Kunstwerks zur Nutzung des Gebäudes erwünscht.
Textauszug und Grundriss-Skizze aus den Wettbewerbsunterlagen des Auslobers Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg / Amt Schwäbisch Gmünd
Standort 1 Die Außenanlagen sollen Standort für ein Kunstwerk mit einem oder mehreren Objekten sein. Zur Verfügung steht das gesamte Grundstück. Folgende planerischen und sonstigen Gegebenheiten sind zu beachten: Die befestigten Flächen werden aus Asphaltbeton mit gelbbrauner Oberfläche hergestellt. Die dichten Baumhaine stehen auf begrünten Flächen (Rasen, Pflaster mit Rasenfugen) und werden gebildet aus großkronigen Hochstämmen (Krimlinde, Schnurbaum und Robinie). Das Gelände steigt von den Grundstücksgrenzen zum Gebäude hin geringfügig an. Die in der Anlage dargestellte Feuerwehrumfahrt ist freizuhalten.
Gestaltungswettbewerb für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin 2009
Auszug der Ausschreibung:
Der Deutsche Bundestag hat am 9. November 2007 beschlossen, dass die Bundesrepublik Deutschland zum Gedenken an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands ein Denkmal der Freiheit und Einheit Deutschlands errichtet. Dieses soll zugleich die freiheitlichen Bewegungen und die Einheitsbestrebungen der vergangenen Jahrhunderte in Erinnerung rufen und würdigen. (…) Das Denkmal für Freiheit und Einheit soll als nationales Symbol in der Mitte der deutschen Hauptstadt errichtet werden. Seine Aussagekraft und Wirkung sollen sich über die Form und Gestalt entfalten. Auf andere Städte, vor allem auf Leipzig, das eine herausragende Rolle bei der friedlichen Revolution spielte, soll Bezug genommen werden. In Leipzig selbst soll – außerhalb dieses Wettbewerbs, gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig – der Beitrag der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zur friedlichen Revolution auf angemessene und sichtbare Weise gewürdigt werden. Als Standort für das zukünftige Denkmal der Freiheit und Einheit wurde der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. auf der Schlossfreiheit festgelegt.
Textfragment und Zeichnung des Wettbewerbsgebietes „Schlossfreiheit“ aus den Ausschreibungsunterlagen
Beschreibung der Wettbewerbsarbeit:
Dieses Monument basiert auf zwei historischen Momenten: dem 27. Mai 1832 am Hambacher Schloss und dem 9. Oktober 1989 in Leipzig. Diese Daten prägen das Innere des Ringes: Das Symbol einer von Vielen in Freiheit gewählten Einheit. Hier wird Geschichte metaphorisch sichtbar: Als Brückenschlag, als verspiegeltes Wasser, als Verwandelgang Baukunst kann die Geschichte nicht wiedergeben, aber sichtbar machen und erlebbar: Beim Betrachten, beim Betreten, beim Besteigen, beim Bedenken.
WIE kann ein Denkmal einen metaphorischen Einblick in die Geschichte eines Volkes ermöglichen, volksnah sein und doch frei von Volkstümlichkeit?
Wie kann die Einheit als fortwährender Prozess vermittelt werden und die Freiheit als permanente Herausforderung?
WIE kann dieses Denkmal auch zu jenen – Deutschen – sprechen, die die Geschichte nicht kennen – und wie zu den nachkommenden Generationen?
WIR haben ein von Ruhe, Klarheit und Transparenz geprägtes Ensemble geschaffen, in dessen Mittelpunkt die Ideale unserer Freiheit und Einheit als Ausdruck einer Bewegung in Deutschland und Europa erfahrbar werden.
Gesamtansicht vom Schloss in Richtung West ▲
SIE überqueren das Wassers, durchschreiten den Ring, verlassen die Brücke am anderen Ufer, folgen dem Wandelgang durch die Kolonnaden – und steigen schließlich der Geschichte aufs Kolonnadendach:
◄ Entwurfsansicht von der Kreuzung Schlosspatz/Schlossfreiheit in Ri NW
◄ Entwurfsansicht der Treppe zum Ring
◄ Entwurfsansicht vom Wandelgang hinter dem Ring
Oben schweift der Blick über das Hier und Heute einer historischen Hauptstadt-Landschaft. Der Ring, die Brücke, der Himmel und die Säulen spiegeln sich im Wasser. Dieses Kunstwerk macht Geschichte sichtbar. Jeder kann sie an diesem Ort der Freiheit und Einheit erleben: Alleine – und mit Allen.
◄ Entwurfsansicht der rechten Kopfbaufassade „Wir sind das Volk“
Die Baumaßnahmen im Sockelbereich: Der Sockel bleibt in seiner Form uneingeschränkt erhalten. Die Säulen müssen im Sockel gegründet werden. Die Skulptur im Zentrum sitzt auf einem Fundament unter der Wasserfläche und auf dem historischen Sockel. Der Ring: Segmentierte Formelemente aus Edelstahl auf einer innenliegenden Stahlrahmenkonstruktion. Der Ring wird auf einem Fundament gegründet, das unter der Wasserfläche und auf dem historischen Sockel liegt.
Das Wasser tritt rings um die „Fußzone“ aus und läuft gleichmäßig über eine gewölbte Edelstahlfläche in das umgreifende Becken aus Marmor. Der Abfluss des Wassers erfolgt über die Basis des historischen Sockels des ehemaligen Reiterstandbildes. Von einem Sammelbecken unterhalb des Wasserabflusses wird das Wasser wieder zum Austritt um den Ring gepumpt. Die polierte Edelstahlfläche: Das Wasser wird in einem dünnen Film über diese Fläche ablaufen und die Reflektion des Himmels sanft brechen. Das Wasserbecken unter der gewölbten Edelstahlblechfläche und die Führungen des Wassers über die Fundamentbasis bestehen aus Marmor. Die Seitentrakte des Monumentes werden als Stahlkonstruktion mit vorgehängter Mehrfachverglasung ausgeführt. Die Säulen in der Kolonnade und in den Seitentrakten stehen genau an den Positionen der historischen Säulen. Die tragenden Säulen sind Teil der statischen Konstruktion. Die nichttragenden Säulen werden mit einer zylindrischen Lampenform abgeschlossen. Die gläserne Brücke soll aus Verbund-Sicherheitsglaselementen mit einer untenliegenden Stahlrahmenkonstruktion umgesetzt werden. Die elliptische Dachform besteht aus Stahlbeton mit vorgehängten Natursteinplatten.
Kunst am Bau-Wettbewerb für den Bundesnachrichtendienst – 2009 – für die künstlerische Gestaltung der Terrassen zum Pankepark
Die Aufgaben und der Auftrag des BND (www.bnd.de)
Der Bundesnachrichtendienst ist der einzige und einheitliche Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Pullach und Berlin. Aufgabe des Bundesnachrichtendienstes ist die Beschaffung und Auswertung von Informationen über das Ausland, die für die Bundesrepublik von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung sind. Diesen Auftrag erfüllt der Bundesnachrichtendienst unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel – mit spezifischen, nur ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten beschafft er geheimgehaltene Informationen, die auf andere Art und Weise nicht gewonnen werden können.
Die Wettbewerbsaufgabe
Gewünscht wird eine Folge von zwei bis vier Kunstwerken, die auf den vorgesehenen Bereichen der Terrassen kraftvolle künstlerische Akzente setzen und so dem Haus einen zusätzlichen gestalterischen Rhythmus geben sollen. Möglich ist auch die Aufstellung eines einzigen Kunstwerkes. Die Arbeit/en soll/en sowohl von den Mitarbeitern aus dem Gebäudeinneren als auch vom Pankepark von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden können. Es gibt keine Höhenbegrenzung für das Kunstwerk. In Anbetracht der langen Gebäudefassade und der Distanzen vom Park oder aus dem Gebäude auf das / die Kunstwerk/e werden Arbeiten gewünscht, die sichtbar in den Raum hineinwirken.
Grundriss-Skizze und erläuterndes Textfragment aus den Ausschreibungsunterlagen
Erläuterung der Wettbewerbsarbeit:
Die Crux des Komplexen
Plänen wird unterstellt sie seien sinnhaft und sie trügen – richtig gelesen – Informationen in sich. Ereignisse und Abläufe werden beobachtet weil man glaubt hieraus Erkenntnis ableiten zu können. Bei allen komplexen Situationen überlagern sich Vorgänge und Strukturen die häufig gar nichts unmittelbar miteinander zu tun haben und der Beobachter hat zunächst keinen Schlüssel wie damit umzugehen ist. Einzig die Idee dass die Dinge sinnhaft wären lässt ihn versuchen Eindrücke zusammen zufassen, eine Theorie zu bilden und damit das Erlebte zu entschlüsseln.
In der vorliegenden Arbeit überlagern sich Strukturen und Ereignisse die unmittelbar nichts miteinander zu tun haben und doch ergeben sie ein gemeinsames, komplexes Bild.
Lichtpunkte wandern entlang von Konturen
Farbflächen leuchten auf bzw. ändern ihre Farbe.
Formstrukturen scheinen Bedeutung im Sinne eines Planes in sich zu tragen
4 große Gesamtelemente scheinen in einer Beziehung zu einander zu stehen, die über den gestalterischen Willen hinausreicht.
Wenn also diese Arbeit eine Botschaft trägt, dann die, dass nicht alles Botschaften trägt die über die Objekte als solche hinausweisen. Dies mag zunächst trivial erscheinen, in Hinblick auf das spezielle Arbeitsfeld des Gebäudenutzers ist die Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig, zwischen der Neigung Strukturen zu finden und der Akzeptanz des Zufalls ein sinnvolles Thema.
Jeweils drei oder vier etwa 12 mtr. hohe, schlanke Säulen tragen ein quadratisches Format aus Corten-Stahlrohren von etwa 6 mtr. Kantenlänge. Das Format ist durch Lineaturen und Formen gefüllt, die einen Plan bzw. eine über sich hinausweisende Struktur induzieren. Die Formen sind aus transluzentem Glas und werden von einer geeigneten Position des Gebäudes mit Laserstrahlern, bzw. stark fokussiertem Licht angestrahlt. Es erfolgt ein sehr langsamer Lichtwechsel: Farbflächen leuchten auf und verdunkeln sich wieder. Durch Änderung der Lichtfarbe verändert sich auch die farbliche Erscheinung der Flächen. Lichtpunkte wandern fallweise entlang den Strukturkanten. Diese Effekte verändern die Erscheinung des Objektes und verleiten zu der Idee dass hinter den Abläufen und Strukturen ein übergreifender sinnhafter entschlüsselbarer Plan liegen könnte.
Kunstwettbewerb Zentrum für Biochemie und Molekulare Zellforschung Universität Freiburg – 2008
Auszug aus dem Auslobungstext:
Nutzung: Im Neubau des ZBMZ wurden vor dem Hintergrund, dass erfolgreiche Forschung heute zunehmend interdisziplinär arbeiten muss die Medizinisch- Theoretischen Institute der Universität Freiburg zu einem Forschungsverbund zusammengeschlossen. Einen Schwerpunkt dieses Verbundes soll das Zentrum für Biochemie und Molekulare Zellforschung (ZBMZ) bilden. In dem Neubau werden auf fünf Geschossen das Institut für Biochemie und das Institut für Molekulare Medizin mit Labor- und Büroflächen untergebracht. Im Untergeschoss ist eine zentrale Tierhaltung vorgesehen, die die heutigen Anforderungen des Tierschutzes und der Hygiene erfüllt. Inhaltliche Bezüge der Kunstbeiträge zu dieser Nutzung sind nicht gewünscht.
Standort 1: Grünflächen zur Stefan – Meier – Straße, Lufträume zwischen den Kopfbauten Kunst kann hier als Auftakt für das gesamte Gebäudeensemble aus Richtung des Hauptbahnhofes betrachtet werden. Dabei sind sowohl punktuelle oder flächige Kunstbeiträge auf einem oder beiden Grünflächen möglich. Eine Bespielung der beiden tiefer liegenden Innenhöfe die sich auf dem Niveau des 1.Untergeschosses befinden ist nicht vorgesehen (siehe Anlage). Eine weitere Möglichkeit für einen Kunstbeitrag bietet der Luftraum zwischen den beiden Kopfbauten oberhalb oder in Verbindung mit der Grünfläche.
Erläuterung des Wettbewerbsbeitrags:
Die vorgeschlagene Skulptur orientiert sich thematisch einerseits an der Funktion des Gebäudes und formuliert andererseits einen Reflex auf die architektonische Erscheinungsform des Gebäudes.
Das Objekt wird aus etwa 70 Edelstahlstäben mit gleicher Länge und mit gleichem Durchmesser gebildet. Während die meisten dieser Stäbe eine feingliedrige Gesamtform im Zentrum des Luftraumes zwischen den Kopfbauten bilden, sind zwei Elemente aus dem Verbund gelöst und stecken (fast) senkrecht im Grund unter der Hauptform der Plastik. Die einzelnen Stäbe sind auf den Seiten jeweils mit einer Farbkodierung versehen, die sich im weitesten Sinn wie Symbole für die Basenpaare einer DNA lesen lassen. Die Gesamtheit der Stäbe formt ein scheinbar unentwirrbares Knäuel aus informationstragenden Elementen. Würde dieses Knäuel aus Stäben entfaltet ließen sich diese Symbole als lineare Zeichenketten lesen.
Die Architektur des Gebäudes
ist durch nüchterne Geradlinigkeit geprägt und die filigranen horizontalen und vertikalen Linien der Fluchtbalkone, der Geländer und der außenliegenden Säulenkonstruktion sind ein charakteristisches Merkmal des Baues. Diese Struktur wird durch die Plastik aufgenommen und übersetzt. Der strengen rechtwinkligen Ordnungsstruktur ein vielfältiges Durcheinander der unterschiedlichsten Richtungen mit einer Verdichtung um einen Kern entgegen gesetzt. Die Plastik wirkt als Bindeglied zwischen den organischen Strukturen der Bepflanzung im Hof und der dominierenden architektonischen Gesamtform. Thematisch orientiert sich die Skulptur einen der Schwerpunkte der molekular-biologischen Forschung und erlaubt eine assoziative Wahrnehmung dieser Aufgabenstellung. Die Plastik „schwebt“ im Schnittpunkt der Raumdiagonalen des Hofes. Die Befestigung erfolgt durch Stahlseile die entlang dieser Diagonalen gespannt werden.
Zweiphasiger offener Kunstwettbewerb für die Botschaft Warschau 2006
Aufgaben und Bedeutung der Deutschen Botschaft in Warschau
Das deutsch-polnische Verhältnis hat auf der Grundlage gleichberechtigter Partnerschaft eine bisher nicht gekannte Vielschichtigkeit und Dichte erreicht, die sich durch Polens EU-Beitritt 2004 noch weiter verfestigt hat. Die bilateralen Beziehungen sind zukunftsgerichtet, ohne die aus der Vergangenheit resultierenden Sensibilitäten zu vergessen. Die Geschichte begegnet dem Besucher auch im Stadtbild Warschaus. In der Hauptstadt erinnern zahlreiche Gedenkstätten und Plaketten an die Ermordung Warschauer Bürger während des NS-Terrors. Deutschland wird heute als verantwortungsvoller Partner mit einer seit Jahrzehnten gefestigten demokratischen Struktur wahrgenommen. (…) Die gute Nachbarschaft beider Länder, die in das bewährte „Europa der Regionen“ gemeinsam 120 Mio. Einwohner einbringen, findet auch im Botschaftsneubau ihren Ausdruck.
Leitidee
Der Neubau umfasst Kanzlei, Konsulat und Botschafterresidenz. Die Architektur bildet die unterschiedlichen Funktionen in einer Komposition aus drei Gebäudeteilen ab. Sie nimmt in Form von verschiedenen Körpern und Materialien den Gedanken auf, dass Botschaften Orte der Begegnung und Verständigung mit Anderen und Fremdem sind. Die Botschaft wird sowohl kontemplativen wie festlichen Charakter erhalten; sie wird in einem Gleichgewicht von Festigkeit und Beweglichkeit, von Nüchternheit und Poesie gehalten. Damit reflektiert sie auch die Wandlung des Selbstverständnisses der Deutschen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Die Lage des Grundstücks auf der Grenze zwischen gewachsener Stadt und geordneter Natur wurde in der architektonischen Konzeption aufgenommen, indem Gebäude und Park – Kultur und Natur auf vielfältige Weise miteinander verschränkt wurden. (…)
Der Textauszug und die Grundriss-Skizze wurden aus den Ausschreibungsunterlagen des Wettbewerbs zitiert
Erläuterung des Wettbewerbsbeitrags
Der Deutsch-Polnische Grenzvertrag von Nov 1990 und die damit verbundene endgültige Anerkennung des Grenzverlaufes zwischen den beiden Staaten stellen einen positiven Endpunkt eines langen, für Einzelne aus unterschiedlichen Gründen auch schmerzhaften Prozesses dar. Dieser Grenzverlauf ist in dem Verhältnis der beiden Nationen zueinander ein Schlusspunkt für vergangene Auseinandersetzungen und er stellt einen Anfangspunkt für eine neue vielfältige Beziehung dar. Diese Grenze soll nicht abgrenzen und trennen sondern sie soll die gemeinsam anerkannte Grundlage für einen lebhaften gegenseitigen Austausch unter den Menschen beider Länder schaffen.
Die Symbolisierung der gemeinsamen Grenze ist das Thema der Skulptur. Die gewählte Form verdeutlicht die Durchlässigkeit und Transparenz in beide Richtungen auf der Grundlage von geklärten Verhältnissen. Die Einflüsse der einen wie der anderen Nation sollen auf den Nachbarn einwirken und ein gemeinsames Neues schaffen. Ein sehr großer Teil der Skulpturen in Warschau ist von Realismus bzw. Konkretion geprägt. Eine Plastik im Garten der Deutschen Botschaft sollte neben der eigenen Tradition auch die Sehgewohnheiten des Gastlandes berücksichtigen. Der Entwurf ist einerseits ein abstraktes Formgeflecht und ist andererseits eindeutig les- und interpretierbar.
Durch die Verwendung der Materialien Stahl und Glas wird dem Symbol der gemeinsamen Grenze einerseits große Transparenz und andererseits die Konnotation von Festigkeit gegeben. Den ganzen Tag wird das Sonnenlicht in den Glasblöcken aufgenommen und in sich ständig wechselnden Facetten von farbigem Licht an den Betrachter weitergegeben. Durch einfache Beleuchtung kann die Plastik auch bei Abendempfängen ihr Thema kraftvoll und vielschichtig präsentieren.
Künstlerwettbewerb zur Gestaltung eines Aussichtsturmes für das archäologisch-kulturlandschaftliche Projekt“Xanten Vetera I“des Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.
Bis auf die Festlegung des Ortes wurden vom Auslober keine weiteren Vorgaben für die Art und die Bauweise des Aussichtsturms gemacht.
römischer Holzturm
Der vorgeschlagene Turm erinnert natürlich in keiner Weise an historische bauliche Strukturen. Gleich der Bauweise eines römischen Turms – der nun wohl in jeder Hinsicht als ein Zweckbau zu verstehen war – nimmt der vorgestellte Entwurf die Materialien eines zeitgemäßen Zweckbaus als Grundlage seiner Formentwicklung. Durch die besondere Kombination dieser Mittel wird mit einen einfachen Kunstgriff, für den Betrachter aus jedem Blickwinkel eine neue und völlig ungewohnte Ansicht präsentiert. Dies wird durch die sich scheinbar wandelnde Schräglage der dominanten Linien erreicht. Die Treppe wird außen an der tragenden Struktur angesetzt. Die Steigung der Treppe liegt entgegen der Richtung der Hauptträger. Wird der Turm bestiegen, führt der Blick zu jedem Zeitpunkt nach außen zur Landschaft.
Wettbewerb des Bundes Ministerium für Justiz (BMJ 2000) Historisches Ereignis November 1989
Der historische Kontext
(…) Ein Ort der Freiheit, eine historische Verpflichtung »Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.« Mit dieser mehr gestammelten als gesprochenen Antwort auf die Frage eines Reporters läutete SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 das Ende der Berliner Mauer ein. Der Satz fiel am Ende einer Pressekonferenz im Internationalen Pressezentrum der DDR, das auf dem Gelände stand, wo heute das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz seinen Sitz hat. Schabowski antwortete – sichtlich unvorbereitet – auf die Frage eines westdeutschen Journalisten, wann denn die gerade präsentierten neuen Reiseregelungen in Kraft treten, die den DDR-Bürgern »Privatreisen nach dem Ausland« ermöglichen würden. Nur wenige Stunden später fiel noch in derselben Nacht die Berliner Mauer – und das Ende der DDR begann. (…)
zitiert nach bmjv.de/Geschichte Erinnerung. Aufarbeitung. Verantwortung. | Band 4
Der Gesamteindruck der Skulptur ist einfach und prägnant. Der gegensätzliche Materialcharakter des rauen Betons sowie der des leichten, leuchtenden, beweglichen Lichtträgers spiegelt sich unmittelbar in der Zeichenbedeutung wieder. Es formt sich die Chiffre einer menschlichen Figur, die sich durch Barrieren nicht auf Dauer in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken lässt. Die Skulptur setzt sich zwar nicht direkt mit dem Gebäude und der an diesem Ort stattgefundenen Pressekonferenz auseinander, gleichwohl nimmt sie aber Bezug auf die historische Situation, die sich in dem Wunsch der Menschen der ehemaligen DDR nach Überwindung der Mauer und der damit verbundenen Bewegungsfreiheit ausdrückt. Die spezifische Pressekonferenz wird in diesem Zusammenhang nicht als ein, in seiner Einzigartigkeit bestimmendes Ereignis, verstanden, sondern lediglich als eine kurze Episode in dem Kampf der Bevölkerung der ehemaligen DDR um Selbstbestimmung. Die Formgestalt des „Ampelmännchen“ liegt der Skulptur direkt und unverstellt zugrunde. Es hat sich als ein Zeichen für die ehemalige DDR etabliert. Es ist charmant und eigenständig. Das Zeichenpaar kann als ein typischer gestalterischer Ausdruck der DDR verstanden werden, der sich nicht in die rationale Logik westdeutscher Piktogramme einordnen lässt, sondern mit seiner Erscheinung auch seine Herkunft betont.
▲Frontansicht der Skulptur▲ Seitenansicht der Skulptur
Das Zeichenpaar trägt in mehrfacher Hinsicht Bedeutung:
als reines Zeichen in zweifacher Ausprägung für „Stopp“ und „Go“.
als Symbol für eine Epoche der Geschichte in einem Teil von Deutschland
als eines der wenigen Piktogramme das die Nachwendevereinheitlichung der Zeichen überstanden hat.
als Sympathieträger und Synonym für eine Bevölkerungsgruppe
Ansicht der Skulptur gesehen von der Mohrenstraße durch die Frontscheibe des ehemaligen Gebäudeeingangs ▲
Mit kleineren Formaten ist auch die Vorstellung verbunden sich einen anderen Interessentenkreis zu erschließen. Dieser Vermutung folgend wurden die Objekte kleiner. Die Käuflichkeit der Kunst wird bei diesen Objekten durch direkte Anleihen in der Welt der Konsumwaren noch unterstrichen: der weiße Pappkarton der Umverpackung ist gleichzeitig auch der Sockel für das Objekt. Die Befestigung der Plastiken auf ihrem Sockel wird durch eine tiefgezogene Bilsterverpackung ermöglicht. Alternativ kann das Objekt – dies ist die „freie Wahl“ des potentiellen Kunstkäufers – auch auf einem grau eingefärbten Marmorgips-Sockel positioniert werden. Bei der visuellen Wahrnehmung werden letztlich werden alle Körper nur durch ihre Oberflächen erkannt. Licht, Schatten, Strukturen auf der Oberfläche und kennzeichnende Linien ermöglichen dem Auge ein mentales Abbild des Objektes zu generieren.
Zur Beschreibung eines Körper wird hier mit farbigem Acrylglas eine durchgängige Linie aufgelegt. Wird dieser Körper anschließend entfernt, bleibt die Linie als Objekt im Raum stehen. Aus Volumen wird Luft, Vorne und Hinten verliert an Deutlichkeit, einfache Objekte wie eine Schale oder ein Kubus werden ein visuelles Rätsel.
Schale ca. 15 x 15 x 5 cm (Acrylglasstreifen) auf einem Sockel aus Modellgips ▲ mit Blisterumverpackung als „Präsentationsalternative“ ►2x Kubus ca. 12 x 12 x 12 cm; (Acrylglasstreifen) auf einem Sockel aus Modellgips jeweils mit Blisterumverpackung als „Präsentationsalternative“ ▲+ ►
Bei den vorangegangenen Acrylglas-Objekten wird ein Körper durch hinzugefügte Oberflächenlinien beschrieben. Hierdurch entsteht ein Formzusammenhang der letztlich den Ursprungskörper referenziert. Bei diesen Bildplatten entsteht die Form oder die Bildzeichen in dem die Linien aus dem Körper entfernt werden. Als Zeichenstift wurde hier ein Kreissäge verwendet, dadurch gräbt sich der Strich in die Acrylglasplatte ein und die zweidimensionale Linie gewinnt körperliche Dimensionen. Über- und untereinander gelegte Striche zeigen bei gerichteter Beleuchtung durch den entstehenden Schattenwurf Raumtiefe im Bild.
Acrylglas mit farbig ausgelegten Kreissägeschnitten; Format der Bildplatten: 50x 50 cm
Die Formensprache sucht sehr freie Assoziationen an die frühzeitliche Bilderschrift der Sumerer. Zeichenelemente aus diesem Formrepertoire wurden kombiniert und übereinandergelagert.
Darstellung einiger Elemente der Bilderschrift der Sumerer (entspr. G.A.Barton und E.Unger Leipzig 1929) nach Adrian Frutiger – „Der Mensch und seine Zeichen“ ISBN 3-925037-39-X
Diese Drahtfiguren sind ursprünglich aus einer sehr einfachen Übung entstanden. In jedem Hotel in Nordamerika bin ich einfachen Kleiderbügeln aus PVC-beschichtetem Draht begegnet. Die selbst gestellte Aufgabe lautete schlicht: Forme in jedem Hotel aus einem einzigen durchgängigen Kleiderbügeldraht eine räumliche Figur. Die formale Herausforderung ergibt sich aus der Problematik, dass das Objekt natürlich seine Charakteristik von allen Seiten entfalten soll.
… gleichzeitig ist das Material zwar in den unterschiedlichsten Situationen ungeheuer nützlich, aber es wäre wohl am besten wenn es seinen Zweck unsichtbar erfüllen würde. Das Kondom – der umgangssprachliche Pariser – ist so ein Produkt. Mitte der achtziger Jahre wurde das kleine Objekt, im Rahmen der grassierenden AIDS-Erkrankungen, aus seiner Existenz im Halbschatten plötzlich als Problemlöser in die Mitte der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit katapultiert.
Die Transformation von „ja, die Dinger gibt es“ zum „Maß und Muss“ im geschlechtlichen Treiben wurde logischerweise durch eine kulturelle und künstlerische Aufwertung begleitet. Das „Ballett für 32 Kondome“ war so ein Versuch. Dieses Ballett hat eine gewisse Aufmerksamkeit hervorgerufen, aber die notwendige finanzielle Unterstützung für die erhoffte Breitenwirkung blieb dem Projekt verwehrt. Interessanterweise auch durch einen sehr weitsichtigen Einwand des größten Produktherstellers in Deutschland: „Man fürchte dass die Verknüpfung des Produktes mit AIDS nach der Überwindung der Krankheitsbedrohung zu einer Ablehnung des Produktes führen könnte.
Szenen aus einem Kurzfilm zu einem verfremdeten Opernfragment aus „Die Trojaner“ von Hector Berlioz ◄ + ▼
Zur Wahrnehmung von Kunststoffen: Im Grunde ist die Ausdrucksmöglichkeit von Kunststoffen fast grenzenlos -eben nur fast: Die alltägliche Verwendung kennzeichnet die Materialgruppe als kurzlebig und während die Mehrzahl der natürlichen Materialien mit dem Alter schöner wird, versprödet Kunststoff: er wird rissig, matt, ist nicht UV-stabil und verliert häufig die Eigenschaften, die ihn eigentlich auszeichnen. Dies gilt nicht für alle Kunststoffe in gleicher Weise – aber es prägt die Wahrnehmung des Materials. Das Zeug wird hässlich und ist nicht werthaltig und mittlerweile gibt es jetzt auch noch das fatale „Umweltschädlichkeits-Stigma“ Formal lassen sich mit Kunststoffen Zustände darstellen die durch Leichtigkeit, Brillianz, Transparenz und Elastizität gekennzeichnet sind. Folien sind ein typisches Halbzeug aus Kunststoff – es lag also nahe diese Folien auf ihre Verwendbarkeit in künstlerischen Zusammenhängen zu untersuchen. Anlässlich einer Ausstellung der Skulpturen wurde von einem Kritiker „eine gefährliche Nähe zu Kaufhaus-Schaufensterdekoration“ attestiert. …. na ja.
◄ PVC-Folie mit Tuschemarkierungen und Acrylfarbe teilweise aufgeblasen ca. 100 x 120cm
▲ glasklare PVC-Folie mit Tuschemarkierungen, aufgeblasen ca. 160 x 160 x 40 cm
PVC-Folie mit Tuschemarkierungen u. Tuschefüllungen 2x Ø 60, H 60cm ►
◄ glasklare PVC-Folie mit Acrylfarbe, partiell aufgeblasen ca. 160 x 200 cm
Rauminstallation PVC-Folie aufgeblasen ca. 240 x 240 x 600 cm ►
(…) im allgemeinen muss man akzeptieren, dass ein gezielter Steinwurf den Plastiken aus Keramik ein Ende setzt. (…)
Die Anerkenntnis dieses Problems führt zu unterschiedlichen Lösungsansätzen: • Eine Lösung ist es mit anderen Materialien zu experimentieren, • eine andere Lösung ist es nach anderen Ausdrucksformen zu suchen. • Große Skulpturen erfordern außerdem in der Regel auch große Ressourcen und wenn die nicht zur Verfügung stehen ändert sich der Schaffenshorizont fast zwangsläufig.
Recht offensichtlich haben sich für mich zu diesem Zeitpunkt eine Reihe von Schwierigkeiten aus unterschiedlichen Richtungen artikuliert. Das Material meiner Präferenz ist in seiner Verwendungsmöglichkeit begrenzt. Die lange Tradition von seiner Verwendung liefert einerseits einen sicheren Akzeptanzrahmen aber neben den technischen Grenzen eben auch Begrenzungen die in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Handwerks begründet sind.
Begriffe wie gemütlich, handgemacht, hübsch und romantisch liegen bei Keramik nahe und begründen eine Widerspenstigkeit gegen intellektuelle Ausbruchsversuche.
Versuche wie zum Beispiel Ziegel mit Drähten statt mit Mörtel zu verbinden werden in diesem Zusammenhang nicht wirklich als sinnvoll betrachtet
◄ + ▲ „Die große Faltung“ Modell für eine Skulptur als Wettbewerbsbeitrag◄ + ▲ Versuch zu einer beweglichen SkulpturHxBxT: ca. 175 x 65 x 29 cm ▲
Skulpturen in Park der Homer Watson Gallery in Kitchener, Ontario, Canada
Drei Skulpturen im Park Im Anschluss an die Arbeit in Nepal ergab sich die Möglichkeit in Kitchener, Ontario, Kanada für den Park der Homer Watson Gallery drei Skulpturen zu realisieren. Es lag nahe zu versuchen die – für Keramiker – ungewöhnliche Erfahrung aus Nepal an einen anderen Ort zu übertragen und zu versuchen das Ergebnis in Kombination mit Steinzeugtonen in ambulantem Gasbrand zu wiederholen. Die Reiskorn-Spelze aus dem asiatischen Versuch wurden durch entsprechend hohe Zuschläge von Vermikulite zur Masse ersetzt.
Durch einen glücklichen Umstand bin ich auf ein Arbeitsangebot in Kathmandu gestoßen. Der Einsicht folgend dass der Mensch (also ich) von etwas leben muss, habe ich mich für diese Tätigkeit beworben – ein wenig Abenteuerlust und Neugierde war wohl auch ein Teil des Reizes. Nachdem alle Rahmenbedingungen für die angestrebte Tätigkeit von mir erfüllt wurden, hat mir die damalige GTZ die Möglichkeit gegeben für ein Jahr in Nepal zu arbeiten. Der Arbeitsauftrag bezog sich überwiegend auf die Mitarbeit am Aufbau einer Ausbildungseinrichtung für Keramiker und die Entwicklung von Konzepten und technische Verfahren die vor Ort umgesetzt werden konnten. Neben der eigentlichen Projektarbeit habe ich meinen nepalesischen Mitarbeitern angeboten, gemeinsam mit ihnen eine große Skulptur nach ihrer Wahl auf dem Gelände der zukünftigen Schule in Bhaktapur zu realisieren.
Ihre Wahl ist auf einen lebensgroßen Elefanten gefallen. Ohne Kenntnis von keramischen Prozessen mag es nebensächlich erscheinen – für die keramische Praxis ist es allerdings recht spektakulär: Es wurde entschieden den Elefanten in einer Größe von etwa 3 mtr. Höhe und einer Gesamtlänge von etwa 4 Metern in einem Stück ohne Teilungen herzustellen und entsprechend direkt am Ort zu brennen. Dieses „sehr eigenwillige“ Verfahren findet sein Vorbild in Tamil Nadu an der Südspitze Indiens.
Vermutlich hat die Plastik letztlich den Witterungsumständen in Kathmandu Tal nicht sehr lange standgehalten. Wirklich wichtig war bei diesem in jeder Hinsicht außerordentlichen Projekt der identitätsstiftende Charakter der Gemeinschaftsaufgabe.
Ganz zweifelsfrei gibt es Objekte für die sich Menschen zu jedem Zeitpunkt interessieren: Sich selbst und ihre Artgenossen. Mit dieser Neigung unterscheiden wir uns durch nichts vom Affen, vom Wellensittich und keinem anderen Lebewesen. Noch in den aberwitzigsten Darstellungen sind wir bereit nach uns zu forschen und uns bzw. unsere Neigungen zu erkennen. Diesem Gedanken folgend wurden aus maschinell gefertigtem Halbzeug (hier extrudierte Rohre mit quadratischem Querschnitt) filigrane Formen erstellt die etwa menschliche Größe haben und derer Gliederungen an die menschliche Proportionen angelehnt sind. Obwohl diese Figuren strikt nach formalen Kriterien entwickelt wurden und ich sehr genau weiß wie und warum diese Objekte entstanden sind, gibt es für mich selbst keinen Moment in dem ich nicht menschliche Zusammenhänge erkennen würde.
Die Figuren wurden aus Steinzeugton mit beigemengten Polyamid-Fasern hergestellt. Die Faser stabilisiert die Struktur nur während der Herstellung. Beim Brand wird die PA-Faser zerstört. Die Zerbrechlichkeit dieser Plastiken ist unverkennbar und mit Sicherheit wird keines dieser Objekte noch existieren
Die Form/Inhalt-Diskussion, also die Idee des gegenstandsfreien künstlerischen Ausdrucks im Gegensatz zur Idee der visuellen Kommunikation ist eine allgegenwärtige Frage in der ästhetischen Debatte der 70iger und 80iger Jahre. Die Fragen nach dem Zusammenhang von Inhalt und Form, die Frage nach Kunst und Bedeutung, von Kommunikation und Medien sind zu jedem Zeitpunkt die zentralen Themen für mich. In jeder Hinsicht bin ich erkennbar ein Teil meiner Generation. Mit dieser Gruppe von Skulpturen wurde postuliert dass die formale körperliche Erscheinung der Objekte nicht über sich hinaus weist. Dass es keinen wie auch immer gearteten Inhalt gibt der etwas anderes referenziert als das Objekt selbst. Kunstwerke erfüllen nicht die elementaren Voraussetzungen für Kommunikation. Es besteht keine Übereinkunft hinsichtlich der Bedeutung der Zeichen zwischen Kunstproduzent und Rezipient. Obwohl dieser Zusammenhang im strengen Sinne tatsächlich nicht gegeben ist wird vom Sender (dem Produzenten des Werks) wie vom Rezipienten (dem Betrachter des Werks) Bedeutung, Sinnzusammenhänge, Assoziationen und wertende Erklärungen in das Objekt hineingelegt. Nur eben von jedem was er/sie für wichtig und bedeutsam erachtet. In diesem Sinne kann das Kunstobjekt die Vorstellungen vom Künstler wie vom Betrachter spiegeln und entsprechend unter Umständen auch völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen bedienen. Selbstverständlich können diese Wahrnehmungen in Teilen identisch sein oder (auch diese Option gibt es natürlich) beim Betrachter schlicht nichts auslösen.
Der Verständnisrahmen bzw. das kommunikative Potential eines Kunstwerkes wird allerdings um so größer die kulturelle Schnittmenge zwischen Produzent und Betrachter ist. Dieser Logik folgend wurden diese Skulpturen zur Sinnbesetzung freigegeben. Ob hier nun jemand die eigene Oma erkennt oder das Schwert der Nibelungen, ….. dann soll es halt so sein. Die Idee war also, dass diese Objekte als Landmarken herumstehen und von den Betrachtern als Zeichen für ihre eigene Gedankenketten am spezifischen Ort erlebt werden.
Sehr schön … vielleicht auch schlüssig. Auf jedem Fall wird damit der Sinnfrage ein Stopp-Schild vor die Nase gesetzt. Wurde damit nun etwas gewonnen? – Vermutlich nicht.
Skulpturen: Die Untersuchung formaler Gliederungen
In erster Linie sind diese Figurengruppen wohl als formale Übungen zu verstehen die unter einen thematischen Zusammenhang gestellt wurden um auf dieser Grundlage die Wirkung von Volumen und Lineatur sowie das Verhältnis von Licht und Schatten konkret zu untersuchen.
Die Maße: jeweils ca. 60 x 60 x 40 cm
Material: unglasiertes Steinzeug
Die Oberfläche wurde vor dem Brand mit Braunstein (Manganoxid) behandelt
formale Untersuchungen: Diese ersten Arbeiten sind im Rahmen einer kunsthandwerklichen Berufsausbildung entstanden und sind daher wohl einfach als formale Übungen zu verstehen. Dies bezieht sich zunächst auf den Umgang mit dem Material und auf die unterschiedlichen Bearbeitungstechniken. De facto sind diese Prozesse so komplex dass man Jahre mit ihrer Aneignung verbringt.
Selbstverständlich teilt sich die Zunft bereits auf der Verfahrensebene in unterschiedliche Positionen.
Die traditionell handwerkliche Bearbeitungsform
die manufakturelle und natürlich
die industrielle Bearbeitung.
Mit den auf diesen unterschiedlichen Grundlagen entstehenden Produkten werden Wirkungen erzielt und Zusammenhänge formuliert, die weit über die reine Materialverarbeitung hinausweisen. Dies gilt gleichermaßen auf ästhetischer wie auf sozialer Ebene. In Industrieländern ist handwerkliche Arbeit pro Stück notwendigerweise ungleich treuerer als industriell gefertigte Waren. Neben der technischen Behandlung des Materials, neben den formalen Aspekten der physikalischen Realität, ergibt sich spätestens wenn die Ebene des reinen Gebrauchsgegenstandes verlassen wird die Frage ob, und wenn ja, was denn nun mit dem Medium gesagt werden soll und kann.
Neben Direktvergaben, entsteht ein Teil der Kunstwerke im öffentlichen Raum daher als Ergebnis von Wettbewerben. Die Idee des Wettbewerbes wurde und wird hierbei allerdings in unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen politischen Systemen durchaus sehr unterschiedlich verstanden. Als ein kennzeichnendes Beispiel könnten die Wettbewerbe um die künstlerische Gestaltung der Schlossfreiheit vor dem Berliner Stadtschloss gelten: Nach dem Tod Wilhelms I. im Dreikaiserjahr 1888 wurde 1889 auf Beschluss des Reichstags ein offener Wettbewerb für die Errichtung eines zentralen Nationaldenkmals zu seinen Ehren auf einem zunächst nicht genauer festgelegten Platz in der Berliner Mitte ausgeschrieben.
Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. ▲
(…) Die erste Konkurrenz, in der der Architekt Bruno Schmitz mit dem Entwurf eines Kaiserforums reüssierte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. So erfolgte 1891 eine zweite, beschränkte Ausschreibung an acht ausgewählte Künstler. Als Denkmalstandort wurde die Westseite der Schlossfreiheit am Ufer des Spreekanals gegenüber dem Eosanderportal des Berliner Schlosses festgelegt. Als bekannt wurde, dass – vermutlich aufgrund einer Intervention von Kaiser Wilhelm II. – neben diesen acht Künstlern zusätzlich noch Reinhold Begas und der vor allem in München tätige Wilhelm von Rümann beteiligt werden sollten, zog sich die Hälfte der Künstler vom Wettbewerb zurück. Die so entstandenen Entwürfe, im Maßstab 1:5 als Modelle gefertigt, wurden im Lichthof des Zeughauses öffentlich ausgestellt. Wie zu erwarten, errang der vom Kaiser hochgeschätzte Begas den ersten Preis (Quelle: https://de.wikipedia.org/ wiki/Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal)
Kurioserweise haben sich die Querelen um das „richtige“ Kunstwerk auf der Schlossfreiheit gut 100 Jahre später wiederholt: (…) Der Deutsche Bundestag hat am 9. November 2007 beschlossen, dass die Bundesrepublik Deutschland zum Gedenken an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands ein Denkmal der Freiheit und Einheit Deutschlands errichtet.
(…) auch fast zwanzig Jahre nach dem initialen Beschluss, ist Ort des Denkmals immer noch eine Baustelle und trotz einer gültigen Entscheidung schwelt die Kontroverse um das Objekt nach wie vor. (Quellen: z.B. – https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheits-_und_Einheitsdenkmal)
Obwohl die Idee eines Wettbewerbes zunächst ganz einfach erscheint, sind letztlich die spezifischen Teilnahmebedingungen, die Vorauswahl, die Auswahlkriterien, die potentielle Honorierung, die Ausführungsbestimmungen, die Juryzusammensetzung, die Juryentscheidungen und nicht zuletzt die Reaktionen der unterschiedlichen Interessensgruppen für die große Mehrzahl der Teilnehmer ein undurchschaubares Dickicht.
Diese Auseinandersetzungen können ein Ausmaß erreichen, dass Künstler auf ihre Idee verzichten, nur um die fortwährenden Auseinandersetzungen von sich fernzuhalten.
Der Wettbewerbe für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wurde ursprünglich von Richard Serra (in Zusammenarbeit mit dem Architekten Peter Eisenmann) gewonnen. (…)„Die Grundidee, ein Stelenfeld zu bauen, stammte von ihm. Als der Entwurf im Laufe des Wettbewerbsverfahrens aber verändert wurde, zog sich Richard Serra 1998 zurück und wünschte Peter Eisenman »viel Glück« für seinen weiteren Weg. (…) für Informationen siehe „Planungen und Entwürfe“ unter https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_für_die_ermordeten_Juden _Europas.
Die öffentliche Wahrnehmung und die resultierenden Kontroversen waren bei den oben genannten Projekten von Anfang an zu erwarten, insofern sind dies Ausnahmen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Wettbewerbe findet geräuschloser statt. Die Frage der Wettbewerbsteilnehmer wurde lange Zeit recht einfach geregelt:
Fachleute (wer immer das war – Galeristen und Hochschulprofessoren) hatten ein Vorschlagsrecht und die vorgeschlagenen Künstler wurden eingeladen. Vielleicht ist es besser davon auszugehen, dass in diesem Prozess immer nach bestem Wissen und gerecht entschieden wurde.
Kunst im öffentlichen Raum hat immer konkrete Aufgaben. Dies ist zum einen die Auszeichnung einzelner Personen oder bestimmter Ereignisse und damit die Erziehung der Betrachter, durch entsprechend bedeutungsvolle Objekte oder Installationen. Man kann nun auch von Identitätsbildung, von gesellschaftlicher Selbstvergewisserung, von kritischer Auseinandersetzung, von ehrender oder mahnender Erinnerung sprechen, es ist allerdings mehr oder weniger immer das Gleiche. Daneben gab und gibt es natürlich auch schlicht ein Dekorationsbedürfnis für den öffentlichen Raum. Dieser berechtigte Gestaltungswunsch entsteht mitunter um vorangegangene Planungsdefizite zu korrigieren oder auch einfach um Orte durch Kristallisationspunkte zu beleben und damit die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Die Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin (um ein ganz triviales Beispiel zu nennen) oder der „Märchenbrunnen“ am Volkspark waren für Jahrzehnte ein derart markierter Punkt. Der „Nischel“ in Chemnitz – das riesige Karl-Marx-Monument funktioniert, völlig unabhängig von der Intension bei seiner Entstehung, im Stadtgefüge in gleicher Weise ziemlich gut.
Skulpturen wie „Das Doppeloval“ von Henry Moore, können einen Ort geradezu in ein Ereignis verwandeln. Landmarken von dieser Qualität schaffen Bezüge, die weit über den konkreten Ort hinaus wirken.
Die Gründe für der Entstehung solcher Werke sind vielfältig. Die Interessenlage von Auftraggeber, Künstler und Publikum können sich hierbei unter Umständen drastisch unterscheiden. Die Wahrnehmung der Objekte und auch die Objekte selbst, variieren von völliger Belanglosigkeit, bis hin zu Werken mit extremer politischer und gesellschaftlicher Brisanz.
Die Themen der künstlerischen Auseinandersetzung sind zu jeder Zeit verwirrend vielschichtig. Sachverhalte, die in einen Zusammenhang wie von zentraler Wichtigkeit beschrieben werden, sind in anderen Argumentationen so unwichtig, dass sich nicht einmal erwähnt werden. Die Diskussionszusammenhänge sind wenig kohärent, dafür aber ausgesprochen impulsiv, vehement und ausdrucksstark. Dies ist keine Schwäche, sondern ganz im Gegenteil die Stärke dieser Debatten. Es ist ein Diskurs, der die Dinge immer wieder wendet und verdreht, der sich überall Impulse aneignet um sie dann zu verfolgen oder eben auch nicht. Diese partiell anarchische Vorgehensweise entdeckt die Welt, die es schon immer gibt, zu jedem Zeitpunkt neu. Eine der wenigen Aussagen, die meistens als gültig anerkannt wird, lautet: Es gibt eine formale Aufgabe und eine inhaltliche Fragestellung. Die extremen Positionen hierbei lauten:
(A) Es gibt nur Inhalt und alles andere ist leerer Formalismus. Das Resultat dieser Position lässt sich an der Mehrzahl der Projekte der vergangenen(15) und vorvergangenen Dokumenta(14) in Kassel studieren.
(B) Alle künstlerische Leistung entfaltet sich aus der Form und der Inhalt ist nur über-gestülpt. Die Skulpturen von Eduardo Chillida dürften unter diesem Kontext zu sehen sein.
Die Frage, ob es nun sinnvoll oder überflüssig wäre, die hier vorliegende Zusammenfassung zu erstellen oder eben nicht, hat mich geraume Zeit beschäftigt, ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Mir ist dann in einem Gespräch von dritter Seite vorgeschlagen worden, einfach mit der Bearbeitung zu beginnen und sollte sich dabei herausstellen, dass „nix Sinnvolles entsteht“, es einfach wieder zu lassen. Dieser pragmatische Ansatz hat mir gut gefallen, also habe ich angefangen, Dinge zusammenzutragen, die ich seit langen Jahren nicht mehr gesehen und angefasst habe. Aus dem vorhandenen Material habe ich eine Art von Auswahl getroffen, die zwar im nach hinein Schlüssigkeit besitzt, die aber in der jeweils aktuellen Situation nur zum Teil gegeben war. Der Zweifel, ob diese Zusammenfassung für irgend etwas gut ist, hat sich nicht aufgelöst. Es wurde allerdings recht viel Arbeit dafür investiert, und schon alleine deshalb war es richtig, die Dinge dann auch bis zur Fertigstellung weiter zu verfolgen.
Über den Sinn und Unsinn mag nun entscheiden, wer will.
Zur Struktur des Inhalts: Die Weiter- und Zurück-Tasten führen weitgehend zeitlich durch die Beiträge bzw. die Projekte. Die Gliederung im Inhaltsverzeichnis orientiert sich an den Themengruppen • Rahmenbedingungen, • Entwicklung der Position, • Direkte Vergaben, • Wettbewerbsteilnahmen. Die Wettbewerbsteilnahmen wurden nicht nach Erfolg oder Ablehnung gegliedert, weil der Prozess, eine Position in Bezug auf die Aufgabenstellung zu finden, die gleiche ist egal, ob die Arbeit zur Realisation angenommen wurde oder nicht. Das eigenartige Verhältnis zwischen Ausschreibungsanforderungen und den letztlich realisierten Projekten war sicher einer der Gründe, diese Zusammenfassung zu erstellen. Der regelmäßig ausdrückliche Hinweis auf das Copyright bzw. Urheberrecht bzgl. der Ausschreibungsunterlagen macht es letztlich schwierig, genau dieses Verhältnis zu dokumentieren, – wobei gerade diese Problematik für Dritte interessant sein könnte.